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Lieber Gott! Es ist Dein Willen, daß ich fern von meinen lieben Eltern leben muß, und nicht, wie es mein Herz so sehr ersehnt, imstande bin, ihnen täglich und stündlich meine Liebe und Zärtlichkeit zu beweisen. Auch muß ich selbst die Lieblichkeit ihrer Nähe entbehren, kann nicht teilnehmen an allem, was sie erfreut, kann ihnen nicht dienen in kindlichem Gehorsam, um zu ihrer Fröhlichkeit und Behaglichkeit des Lebens durch meine Tätigkeit beizusteuern.

Wenn ich aber auch sie nicht leiblich vor mir sehe, so sind sie doch in jeder Stunde meinem Geiste und meinem Herzen nahe. Meinem Geiste, weil ihr Wort und ihre Lehre in meinen Gedanken lebendig sind, und meinem Herzen, weil ich an sie denke in Liebe und Treue.

Und wenn es mir auch versagt ist, für sie wirksam zu sein mit der tatsächlichen Äußerung meiner Liebe, so ist es mir doch vergönnt, für sie zu Dir zu beten, mein Gott!

Du, Allgütiger, o, erhalte sie in Deinem Schutze, bewahre sie vor Unglück und Gefahren, gib, daß die Sorge für das Leben (für das Wohl aller ihrigen) ihnen leicht werde. Verleihe ihnen eine kräftige Gesundheit und ein fröhliches Herz, gib ihnen Freude an mir (und meinen Geschwistern) und vereinige mich wieder mit ihnen in Glück und Wohlsein. Amen!

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Gebet um Hilfe aus der Not.

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Allgütiger Vater! Du bist allwissend und kennst das Leid, das meinen Geist beschwert, vor Dir ist nichts verborgen, somit auch nicht die geheimsten Gedanken meines Herzens. Vor Dir gilt kein Schein, vor Dir gilt nur die Wahrheit. Was kann es mir frommen, wenn ich auch vor Dir, gleichwie vor den Menschen, das Leid verbergen will, das mein Herz bedrückt! Aber zum Heile wird es mir, wenn ich vor Dir meinen Kummer im Gebete offenbare, weil ich nicht vergebens Trost und Hilfe bei Dir suchen werde. O, mein Gott! Ein Gedanke ist es, der mein ganzes Wesen erfüllt, der mich begleitet auf allen meinen Schritten, der jede wahre Fröhlichkeit in mir unterdrückt, der, ach, auch den Schlaf verscheucht von meiner Lagerstätte. O, mein Gott! Es bedrückt mich schwer, daß (hier ist das wörtliche Bekenntnis der betrübenden Tatsache einzuschalten). Laß durch dieses Bekenntnis mein Herz erleichtert, meine Seele mit Hoffnung erfüllt sein. Ich will das Vertrauen in mir beleben, daß Du eine Hilfe bist allen denen, die auf Dich hoffen. So ich aber selber dazu beitragen kann, daß mein Leid von mir gehe, so erleuchte mein Auge, daß den rechten Weg ich finde, stärke die Kraft meines Willens, daß auf dem rechten Wege ich ausharre. Wohl weiß ich es, daß Du auch Prüfungen den Menschen zu ihrem Heile sendest, und daß auch ich weiser und besser aus ihnen hervorgehen kann, so ich mich selbst prüfe und meine eigenen Fehler und meine falsche Auffassung der Dinge erkennen lerne. Aber das menschliche Herz ist schwach, und der Gedanke an Hilfe ist im Leide ihm der nächste. Nicht um meines Verdienstes willen flehe ich zu Dir, aber um Deiner unendlichen Liebe willen hilf mir, mein Gott! Nimm Dich meiner an, wie der Vater sich annimmt seines Kindes. Verschließe Dein Auge meiner Unwürdigkeit, denn ich bitte nicht um Deine Gerechtigkeit, ich bitte um Deine Gnade, und bei Dir ist Gnade und Erbarmen. Amen!

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