Läuffer. Mach, daß Du zu meinem Vater in die Lehre kommst; nach Insterburg.

Gustchen. Da kriegen wir uns nie zu sehen. Mein Onkel leidt es nimmer, daß mein Vater mich zu Deinem Vater ins Haus giebt.

Läuffer.
Mit dem verfluchten Adelstolz!

Gustchen. (nimmt seine Hand) Wenn Du auch böse wirst, Herrmannchen! (küßt sie) O od! Tod! warum erbarmst Du Dich nicht!

Läuffer. Rathe mir selber—Dein Bruder ist der ungezogenste Junge den ich kenne: neulich hat er mir eine Ohrfeige gegeben und ich durft ihm nichts dafür thun, durft nicht einmal drüber klagen. Dein Vater hätt ihm gleich Arm und Bein gebrochen und die gnädige Mama alle Schuld zuletzt auf mich geschoben.

Gustchen.
Aber um meinetwillen—Ich dachte, Du liebtest mich.

Läuffer. (stützt sich mit der andern Hand auf ihrem
Bett, indem sie fortfährt seine eine Hand von Zeit zu
Zeit an die Lippen zu bringen.)
Laß mich denken…(bleibt nachsinnend sitzen)

Gustchen. (in der beschriebenen Pantomime) O Romeo! Wenn dies Deine Hand wäre.—Aber so verlässest Du mich, unedler Romeo! Siehst nicht, daß Deine Julie für Dich stirbt—von der ganzen Welt, von ihrer ganzen Familie gehaßt, verachtet, ausgespyen. (drückt seine Hand an ihre Augen) O unmenschlicher Romeo!

Läuffer. (sieht auf)
Was schwärmst Du wieder?

Gustchen. Es ist ein Monolog aus einem Trauerspiel, den ich gern recitire, wenn ich Sorgen habe. (Läuffer fällt wieder in Gedanken, nach einer Pause fängt sie wieder an) Vielleicht bist Du nicht ganz strafbar. Deines Vaters Verbot, Briefe mit mir zu wechseln, aber die Liebe setzt über Meere und Ströme, über Verbot und Todesgefahr selbst—Du hast mich vergessen… Vielleicht besorgtest Du für mich—ja,—ja, Dein zärtliches Herz sah, was mir drohte, für schröcklicher an, als das was ich leide. (küßt Läuffers Hand inbrünstig) O göttlicher Romeo!