Major. (geht auf sie zu) Ja verzeih Dirs der Teufel, ungerathenes Kind.—Nein, (kniet wieder bey ihr) fall nur nicht hin, mein Gustel— mein Gustel! Ich verzeih Dir; ist alles vergeben und vergessen—Gott weiß es: ich verzeih Dir—Verzeih Du mir nur! Ja aber nun ists nicht mehr zu ändern. Ich hab dem Hundsvott eine Kugel durch den Kopf geknallt.
Geh. Rath.
Ich denke, wir tragen sie fort.
Major. Laßt stehen! Was geht sie euch an? Ist sie doch Eure Tochter nicht. Bekümmert Euch um Euer Fleisch und Bein daheime. (Er nimmt sie auf die Arme) Da Mädchen—Ich sollte wohl wieder nach dem Teich mit Dir—(schwenkt sie gegen den Teich zu) aber wir wollen nicht eher schwimmen als bis wir's Schwimmen gelernt haben, meyn' ich.—(drückt sie an sein Herz) O du mein einzig theurester Schatz! Daß ich dich wieder in meinen Armen tragen kann, gottlose Kanaille! (trägt sie fort)
Sechste Scene.
In Leipzig.
Fritz von Berg. Pätus.
Fritz. Das einzige, was ich an Dir auszusetzen habe, Pätus. Ich habe Dirs schon lang sagen wollen: untersuche Dich nur selbst; was ist die Ursach zu all Deinem Unglück gewesen? Ich tadle es nicht, wenn man sich verliebt. Wir sind in den Jahren; wir sind auf der See, der Wind treibt uns, aber die Vernunft muß immer am Steuerruder bleiben, sonst jagen wir auf die erste beste Klippe und scheitern. Die Hamstern war eine Kokette, die aus Dir machte, was sie wollte; sie hat Dich um Deinen letzten Rock, um Deinen guten Namen und um den guten Namen Deiner Freunde dazu gebracht: ich dächte, da hättest Du klug werden können. Die Rehaarin ist ein unverführtes unschuldiges jugendliches Lamm: wenn man gegen ein Herz, das sich nicht vertheidigen will, noch vertheidigen kann, alle mögliche Batterien spielen läßt, um es—was soll ich sagen? zu zerstören, einzuäschern, das ist unrecht, Bruder Pätus, das ist unrecht. Nimm mirs nicht übel, wir können so nicht gute Freunde zusammen bleiben. Ein Mann, der gegen ein Frauenzimmer es so weit treibt, als er nur immer kann, ist entweder ein Theekessel oder ein Bösewicht; ein Theekessel, wenn er sich selbst nicht beherrschen kann, die Ehrfurcht, die er der Unschuld und Tugend schuldig ist, aus den Augen zu setzen: oder ein Bösewicht, wenn er sich selbst nicht beherrschen will und wie der Teufel im Paradiese sein einzig Glück darin setzt, ein Weib ins Verderben zu stürzen.
Pätus. Predige nur nicht, Bruder! Du hast Recht; es reuet mich, aber ich schwöre Dir, ich kann drauf fluchen, daß ich das Mädchen nicht angerührt habe.
Fritz.
So bist Du doch zum Fenster hineingestiegen und die
Nachbarn habens gesehen, meynst Du, ihre Zunge wird so
verschämt seyn, wie Deine Hand vielleicht gewesen ist?
Ich kenne Dich, ich weiß, so dreust Du scheinst, bist
Du doch blöde gegen's Frauenzimmer und darum lieb ich
Dich: aber wenns auch nichts mehr wäre, als daß das
Mädchen ihren guten Namen verliert, und eine
Musikantentochter dazu, ein Mädchen, das alles von
der Natur empfieng: vom Glück nichts, der ihre einzige
Aussteuer, ihren guten Namen, zu rauben—Du hast
sie unglücklich gemacht, Pätus.—
(Herr Rehaar kommt, eine Laute unterm Arm.)
Rehaar. Ergebener Diener von Ihnen; ergebener Diener, Herr von Berg, wünsche schönen guten Morgen. Wie haben Sie geschlafen und wie stehts Konzertchen? (setzt sich und stimmt) Haben Sie's durchgespielt? (stimmt) Ich habe die Nacht einen heßlichen Schrecken gehabt, aber ich wills dem eingedenk seyn.—Sie kennen ihn wohl, es ist einer von ihren Landsleuten. Twing, twing. Das ist eine verdammte Quinte! Will sie doch mein Tage nicht recht tönen; ich will Ihnen Nachmittag eine andere bringen.