Indes kam der Kreisphysikus, von Frau von Imhoff dazu bewogen, noch am selben Abend. Es war der Medizinalrat Doktor Albert. Er untersuchte Caspar mit großer Sorgfalt; als er fertig war, machte er ein bedenkliches Gesicht. Quandt, seltsam gereizt dadurch, sagte fast herausfordernd: »Es fließt ja gar kein Blut aus der Wunde.«
»Das Blut sickert nach innen,« entgegnete der Medizinalrat mit einem den Lehrer nur streifenden Blick. Er legte einen Umschlag von Senfteig auf das Herz und empfahl die möglichste Ruhe.
Quandt griff sich an die Stirn. »Wie,« sagte er zu seiner Frau, »sollte sich der Bursche in seinem Leichtsinn doch ernstlichen Schaden zugefügt haben?«
Die Lehrerin schwieg.
»Ich bezweifle es, ich muß es bezweifeln,« fuhr Quandt fort. »Sieh doch selbst, der sonst so wehleidige Mensch klagt ja mit keiner Silbe über Schmerzen.«
»Er antwortet auch nichts, wenn man ihn fragt,« fügte die Frau hinzu.
Um neun Uhr fing Caspar an zu delirieren. Quandt war entschlossen, an das Delirium nicht zu glauben. Als Caspar aus dem Bett springen wollte, schrie er ihn an: »Machen Sie nicht solche widerlichen Umstände, Hauser! Gehen Sie schleunig in Ihr Bett zurück.«
Der Pfarrer Fuhrmann trat gerade in das Zimmer und hörte dies. »Aber Quandt! Quandt!« sagte er entsetzt. »Ein wenig Milde, Quandt, im Namen unsrer Religion.«
»O,« versetzte Quandt kopfschüttelnd, »Milde ist hier schlecht angebracht. In Nürnberg, wo er doch auch so eine verworfene Komödie aufgeführt hat, gebärdete er sich genau so, und ich habe mir sagen lassen müssen, daß er dabei von zwei Männern ist gehalten worden. Was mich betrifft, ich lasse mir so ein Schauspiel nicht bieten.«
Frau von Imhoff hatte eine Pflegerin vom Krankenhaus geschickt, die über Nacht an Caspars Lager wachte. Er schlummerte zwei bis drei Stunden.