»Du gefällst mir nicht, Heinrich,« sagte Franziska am andern Vormittag zu Hadwiger, als dieser allein in die Villa kam. »Warum sperrst du dich so zu? Aus Trotz? Oder weißt du nichts zu erzählen? Wenn du stumm bleibst, wirst du den Spiegel nicht bekommen.«
»Ich wußt’ es gleich, daß ich ihn nicht bekommen kann«, antwortete er.
»Du gibst dir nach und gefällst dir als Aschenbrödel«, meinte Franziska.
»Ich bin nicht frei genug«, versicherte Hadwiger, »ich kann die Dinge weder zusammen- noch auseinander halten, mir sitzt alles auf der Brust, und es gibt keine andre Wahl für mich als zu schweigen oder zu beichten.«
»Zu beichten? Wie meinst du das?«
»Wie es gesagt ist. Ja, ich müßte einmal aufräumen in mir; von Jahren sprechen, die dahinten liegen, weit dahinten, an die ich aber nicht denken kann, ohne daß mich eine Gänsehaut überläuft.«
Franziska blickte ihn mütterlich verstehend an.
»Verkleiden kann ichs nicht«, fuhr er grüblerisch fort, »und schlankweg das furchtbar Wahre sagen? Nein. Es paßt nicht her. Hier ist alles so rund, nur ich bin eckig, alle sind urban, nur ich bin störrisch. Gegen die Überlegenheit hilft nichts als sich unterzuordnen, sonst wird man sich und andern unbequem.«
»Ich begreife dich«, erwiderte Franziska. »Es drückt einem das Herz ab, und doch macht es reich, davon zu wissen, und arm, davon zu reden.«
»Wenn einer da wäre, um es für mich zu tun, hätt’ ich nichts dagegen, und ich könnte mich wenigstens aus dem Zimmer schleichen.«