»Es läßt sich alles berechnen, Euer Gnaden. Was Euch Willkür scheint, läßt sich berechnen, und durch das Teleskop läßt sich vieles sehen, was in der Himmelsschwärze versunken ist.« Der Astronom wies auf das Fernrohr, und als der Graf sich erhoben hatte, richtete er die Schrauben für das Auge des Laien und zielte mit dem Rohr auf das Mondhorn, das gerade zwischen zwei Baumwipfeln eines fernen Waldes tief gegen den Horizont sank. Der Graf schaute hinein, fuhr aber gleich wieder zurück.

»Es blendet Euer Gnaden,« meinte Hans Kosmisch versöhnlich, »doch Ihr werdet Euch bald gewöhnen.«

Der Graf schaute wieder ins Rohr. »Verteufelte Zauberei«, sagte er; »oder sind es wahrhaftige Berge, die ich da sehe?«

»Wahrhaftige Berge, Euer Gnaden, erloschene Vulkane, eine gestorbene Welt, eine Zwillingserde. Das Licht, das Ihr wahrnehmt, ist Sonnenlicht, die Schatten sind Sonnenschatten –«

»So hat mich das Diebsgesicht des Monds bisher getäuscht? Und was ist das für ein dunkler Fleck, seitlich vom hellen, grau wie Katzenfell –?«

»Es ist die Nacht des unbeleuchteten Planeten. Unser Erdball wirft die umgrenzte Finsternis dorthin.«

»Unser Erdball, sagst du ... Ball! Wie das klingt. Es ist also keine leere Fabel? Die Welt, auf der ich stehe, mit ihren Ländern und Meeren und Flüssen und Städten und Kirchen und Menschen ist wirklich nur so eine schwimmende Kugel wie die dort?«

»Wie die dort und wie viele, eine kleine nur unter den kleinen, Euer Gnaden. Seht, alles was so wie Leuchtwurmgetier am Himmelsbogen funkelt, das ist jedes für sich ein Einzelnes und Gestaltetes, und könntet Ihr auf einem von den Sternen weilen, so würden die andern und unser irdischer dazu auch wieder nur als feuriges Gesprüh euer Auge ergötzen. Das geschliffene Glas da löst euch den weißen Strom der Milchstraße zu Punkten auf, und jeder Punkt ist eine Sonne, und um jede Sonne kreisen Erden, und jeder hält den andern im Raum, und alle fliehen durch den Raum, nach geheimnisvollen Gesetzen. Ihr schaut empor, und zur selben Frist entstehen Welten und vergehen Welten, schwingen sich Monde um ihre Muttergestirne, stürzen Meteore aus der Bahn, rasen Kometen durch eine Unendlichkeit, für die der Menschengeist keine Begriffe hat. Richtet Euer Augenmerk gnädigst auf den grünlich funkelnden Stern zwei Hand breit von der Deichsel des Wagens. Dieses Sternes Licht braucht dreitausend Jahre, um zu Euch zu gelangen.«

»Dreitausend Jahre«, wiederholte der Graf, flüsternd wie ein Kind, dem es gruselt.

»Indem Ihr sein Feuer seht, seht Ihr in Wahrheit etwas, das vor dreitausend Jahren war, und wäret Ihr imstande, hinaufzufliegen, so könntet Ihr, auf die Erde rückschauend, mit sonderlich begabtem Auge von Folge zu Folge alles wahrnehmen, was sich seit dreitausend Jahren dahier begeben hat.«