»Ganz egal, Madame, Ihre Mitschuld ist unbestreitbar. Die Gefahren-Aktien sind eben verteilt. Naiv ist es freilich, den ahnungslosen Hebräer ins Treffen zu schicken. Sie hätten es verhindern müssen. Haben Sie mich so schlecht angesehen, mit diesen Augen im Kopf? Warum haben Sie selber denn die Gelegenheit versäumt, das Terrain zu sondieren? Ich hatte es erwartet. Daß ich statt dessen zu Ihnen kommen muß, gibt kein Plus in Ihrer Rechnung.«

Maria überlegte erregt: wohin zielt das alles?

Er ging ein paarmal auf und ab, Hände in den Hosentaschen. Seine Stimme wurde glatter und heller, als er fortfuhr: »Bin vor der Treppe gestanden und habe gegrübelt: was ist das für ein Gesicht? was ist das für eine Sorte Frau? Kennst du das Gesicht? wie geht es zu, daß du es nicht kennst? Na, da beschloß ich, Avancen zu machen. Es freut Sie nicht, wie? Ich bin mir natürlich bewußt, daß meine Person eben das repräsentiert, was Sie mit gutem Grund verabscheuen. Trotzdem stehe ich da. Komme trotzdem mit einem Vorschlag zu Ihnen, der nach Waffenstillstand aussieht.«

»Was ist es für ein Vorschlag?« fragte Maria unbefangen.

Sein rotes, muskulöses, von Wettern gegerbtes Gesicht zeigte Verkniffenheit. Da jeder Nerv in ihm auf beschleunigtes Tempo gestimmt war, entfachte die langsame Entwicklung offenbar seine Ungeduld. Er stieß die Worte hervor, die einen Klang von Brutalität hatten: »Ich habe mich Ihnen zu Gefallen mit der Dachkammer begnügt; ich denke, Sie werden mich dafür entschädigen.«

»Entschädigen? in welcher Weise? was meinen Sie damit?«

»Ich meine, daß Sie mich da oben besuchen sollen.«

»Wie, besuchen? Ich verstehe Sie nicht ganz.«

Er verzog ärgerlich das Gesicht. »Ich meine, daß Sie mir heute nacht die Ehre Ihres Besuchs erweisen,« wiederholte er in bösem Ton.

Maria lächelte belustigt.