»Es liegt mir daran,« fuhr er fort und streckte das Kinn vor; »es liegt mir viel daran, ich werde Ihnen schon erklären, warum. Ich habe mirs in den Kopf gesetzt, und mich von einer Sache abbringen, die ich mir in den Kopf gesetzt habe, ist nutzlos. Versuchen Sie das gar nicht erst.«
Maria lächelte. In dieses Lächeln gehüllt, war sie von oben bis unten Dame. »Sie überschätzen mein Interesse an fremden Zwangsideen,« sagte sie leicht; »ich will es durchaus nicht versuchen.«
Er machte zu ihr hin eine Bewegung wie eine Katze. »Bleibt es bei der Antwort?« fragte er mit unerwartetem Ausdruck von Neugier.
Sie nickte. Wanja begann zu weinen. »Geben Sie doch den Balg weg,« herrschte er sie an, »er stört mich.« Maria klopfte Wanja den Rücken, und er wurde still. Golowin sah auf ihre Hand. Sie verbarg sie hastig unter Wanjas Kissen.
Nach einer Pause fing er an: »Gut, stellen wir uns auf den Boden der gesellschaftlichen Form. Was haben Sie zu fürchten?«
»Nur meine Meinung von mir selbst.«
»Sonst nichts?«
»Doch. Ich kann mich nicht in eine Situation begeben, deren ich mich später vielleicht zu schämen hätte. Wie sie auch verläuft, ich müßte sie vor einem rechtfertigen, der Rechenschaft von mir verlangen darf.«
»Unsinn,« murrte Golowin; »das klingt ja so als wollte ich die Geschichte von boule de suif mit Ihnen aufführen. Knallerbsen werf ich nicht. Bin nicht lustig genug dazu.« Er bemerkte ihr aufblitzendes Erstaunen über das literarische Zitat, ging aber mit einer Grimasse darüber hinweg. »Ihre Bedenken sind schwächlich,« sagte er; »außerdem nicht sehr klug. Ich biete Ihnen einen Vorwand, der Ihnen Schlupflöcher nach allen Seiten läßt. Ich verhandle mit Ihnen über Ihr Schicksal und das Ihrer Kinder und Ihrer Reisegenossen. Weisen Sie mich zurück, so ist es von vornherein besiegelt. Demnach riskieren Sie nur, was ein vernünftig erwägender Mensch riskieren muß.«
»Weshalb denn eine nächtliche Verhandlung in der Dachkammer?« fragte Maria kopfschüttelnd. »Nennen Sie Ihre Bedingungen, ich werde Ihnen sagen, ob sie annehmbar sind.«