DER ALTE:
So redest du für dich. Wehrst du dich aber nicht selbst gegen die Stümper, gegen die frivolen Eindringlinge in den Tempelbezirk der Kunst? Und bist du immer gerecht in der Unterscheidung? Täuscht dich niemals ein Vorurteil, und das deiner Natur Fremde, suchst du es auch zu verstehen, oder verwirfst du es nicht oft, nur weil es eben fremd ist?
Du hast Recht. Aber der Verdruß gegen die Schwätzer und Windbeutel enthält oft das wünschenswerte Entgegenkommen den noch unerschlossenen und ringenden Kräften vor. Bei uns in Deutschland ist es besonders traurig. Unter hundert Betrachtern und Beurteilern eines Kunstwerks ist kaum einer, der imstande ist nur gerade, sagen wir: das Postament zu begreifen, auf dem es ruht. Eitelkeit und Nüchternheit diktieren ihnen ihr begeistertes oder verwerfendes Urteil. Überall guckt der Schulmeister heraus, und wenn sie wohlwollend sind, dann glauben sie schon weit zu gehen. Verzeih, daß ich jäh und bitter werde, aber sogar du ziehst es vor Diktator zu sein, anstatt Freund, Versteher, Billiger, Mitdeuter. Warum willst du nicht die Notwendigkeit hinnehmen, die mich erfüllt? Vielleicht ist das, was ich unter unbesieglichem Zwang schaffe, gar nicht so verschieden wie du meinst von dem, was die Formeln wollen. Und wer nie eine der anscheinend ehernen Regeln verletzt und selbst das erlauchteste Kritikerhaupt zum Schütteln zu bringen vermag, der ist kein Schöpfer, der bleibt stets ein Beckmesser.
DER ALTE:
An der hohen Meinung von dir selbst hat es dir nie so sehr gefehlt als an der von den andern. Aber ich bin dir keineswegs böse. Im Gegenteil muß ich gestehen, daß mich dein Feuer seltsam erwärmt und daß mir dabei der Gedanke aufsteigt, wie gleichgültig, fern und matt all dies eifervolle Mühen um Dinge ist, die doch, man könnte fast glauben mit einem spöttischen Lächeln, ihre eigenen Wege gehen. Der Mensch ist alles, das Lebendige ist alles, und eine Natur, mit Sehnsucht, Mut und Schöpferwillen begabt, wird, sei sie noch so eng, stets den Nörgler beschämen. Aber es würde mich nun interessieren, wie du dir die Zukunft deiner Kunst denkst, denn aus deinen Reden atmen mir Revolutionen entgegen.
DER JUNGE:
Liebster Freund, wie schnell werden wir uns verständigen, wenn du so spricht.
DER ALTE:
Und wie erstaunt werden wir sein zu bemerken, daß jeder nicht den andern bekämpft hat, sondern sein eigenes Mißverstehen, seine eigene Ungeduld, seine eigene Unsicherheit. Lassen wir also alles Allgemeine für diesmal beiseite und erzähle mir von dir selbst, von dir allein. Ich denke, daß ich so am meisten auch über deine Kunst erfahre.