Frau Bender hatte die Lider gesenkt und fältelte an einem Puppenkleidchen. „Mein Gott, ein alleinstehendes und noch dazu armes Mädchen, es ist bedauerlich,“ sagte sie bekümmert. „Und was für ein Leben führt sie drüben! Wie drangsalirt er sie oft mit seiner Eifersucht und seiner grenzenlosen Willkür. Manchmal, wenn ein Brief kam, oder wenn ihr Name draußen genannt wurde, war sie einer Ohnmacht nahe vor Herzklopfen. Und doch kann ich den Mann eigentlich nicht verurteilen. Sie ist ja furchtbar herb und eigenwillig und – ach, Herr Falk – ich kann Ihnen nur als Freundin raten, lassen Sie es nicht zu tief gehen.“
Ein namenloser Schreck ergriff ihn. Bald bunt, bald dunkel waren die Gegenstände um ihn. Flehend starrte er Frau Bender an. „Wissen Sie denn etwas Bestimmtes?“ fragte er rauh.
„Wer kann da entscheiden? Schließlich sind ja alle darüber einig, daß – es ist ja doch nicht anders möglich, die Männer sind eben so. Umsonst thun sie nichts. Wir haben erst gestern im Club darüber gesprochen ...“
„Ja, aber was? Was denn um Gotteswillen?“
Frau Bender antwortete nicht gleich. Sie riß die Reihfäden aus ihrem Puppenkleidchen und sagte errötend: „Man hält sie eben für die Geliebte des Obersts.“
Falk schwieg. Er schluckte ein paar Mal hintereinander und atmete mit Mühe. „Ach – wirklich!“ machte er dann, scheinbar sehr verwundert, und plötzlich lachte er aus vollem Herzen. Frau Bender sah ihn bestürzt und langsam begreifend an. In vielen Dingen war sie eine feinfühlige Frau. Und dies äußerte sich besonders darin, daß sie jetzt nicht zu trösten, oder zu widerrufen versuchte. Als er sich erhob, und ihr höflicher als sonst gute Nacht wünschte, sah sie ihm lange voll mütterlicher Güte nach.
Mely hatte sich mit Helene unterhalten, und als diese gegangen war, lag sie da, träumend, und ganz ihren Träumen hingegeben. Es wurde still in der Pension, aber sie hatte kein Bedürfnis zu schlafen.
Gegen elf Uhr öffnete sich die Thür leise und Falk trat ein. Er sah sie nicht an, sondern ging an ihrem Bett vorbei zum Sopha und lehnte sich in dessen Ecke zurück, so daß er ganz im Schatten saß.
Mely richtete sich halb auf, stützte den Kopf in die Hand und wandte schmerzlich befremdet das Gesicht dem Sopha zu. In dumpfer Betrübnis starrte sie zu Falk hinüber. In Wahrheit, dies ist qual-, qualvoll, ging es ihr durch den Kopf. Die Furcht, ihn zu verlieren, legte sich jäh wie schwere Müdigkeit in ihre Glieder.
Nach diesem langen Schweigen stellte er sich vor das Bett und sagte barsch und gehässig: „Du hast mich belogen.“