„Guten Abend,“ sagte sie leise und furchtsam.
„Wo warst du so lange?“ entgegnete Falk, ohne sich zu bewegen. Er starrte immer noch auf die Decke.
Mely seufzte tief und schlug ihren Schleier zurück. „Du weißt es doch,“ sagte sie mit jenem schwermütigen Tonfall, der ihn unfähig machte, ihr länger zu zürnen. Er sträubte sich gegen den Einfluß ihres Wesens, ihres Wortes, aber umsonst. Alles ist berechnet bei ihr, dachte er, alles ist Verstellung, – aber dennoch, eher hätte er ihre Verzeihung erbetteln, als ihr Vorwürfe machen mögen. Er gehörte zu jenen Menschen, die wenn sie lieben, jede Züchtigung, jede Demütigung zu vergessen wünschen.
Plötzlich aber, als er aufgestanden war und ihr entgegentrat, fiel sie ihm um den Hals und stammelte fassungslos: „O, ich mag dich so gern!“
„Mely!“ rief er aus und drückte sie an sich. Quälend und überaus besorgniserregend war ihm die Verstörtheit ihres Wesens. Beglückt zugleich und bestürzt durch das Ungewisse, Finstere, vor dem er stand, küßte er sie brennend heiß. „Bist du denn wirklich mein Schatz?“ fragte er, zitternd am ganzen Körper.
„Ja ja,“ antwortete Mely hastig und gleichsam angstvoll und drückte ihn mit bebenden Armen an sich. „Warum liebst du mich?“ fragte sie, indem sie schmerzlich und kummervoll zu ihm aufsah. „Das möcht ich wissen. Es ist doch nichts an mir. Es gibt doch so Viele!“
„Was ist vorgegangen mit dir!“ rief Falk erschrocken.
„Nichts, nichts,“ erwiderte sie kaum hörbar. „Horch nur, wie der Wind rast.“
„Lieber, süßer Schatz, was ist mit dir? Was hast du für einen Kummer? Schau, ich weiß, du verbirgst mir etwas, du hast ein Geheimnis. Komm, vertraue mir, sei gut, sag es mir.“
Sie schüttelte den Kopf. „Es ist nichts, gewiß nicht. Warum bist du so mißtrauisch?“