„Du hast Wein getrunken?“ forschte er nervös.
„Ja, – weshalb?“
Er verfiel in langes Grübeln. Mely beobachtete ihn unruhig. Dann nahm er ihre Hand. „Mely – hättest du den Mut, mit mir zu sterben?“
Sie entzog ihm ihre Hand. „Ach geh, den Unsinn!“ erwiderte sie stirnrunzelnd.
Förmlich gepeitscht von Argwohn und Zweifel, folgte er ihr ins Wohnzimmer. „Was war das für ein Brief, den du heute bekommen hast?“ begann er, und setzte sich zu ihr auf den Divan.
Sie lächelte versteckt. Er drängte, aber sie weigerte sich. Sie zog die Sache zuerst ins Scherzhafte, aber schließlich wurde sie finster und ungehalten. Falk hätte in den Boden sinken mögen vor Scham und Bitterkeit. Er versuchte, zärtlich zu sein, sie zu versöhnen. „Was hattest du heute Mittag?“ fragte er sie schüchtern, doch mit verhaltenem Zorn.
„Da fragst du noch?“ gab sie gehässig zurück.
„Nun?“
„Ich liebe nur einen Mann, den ich bewundern kann,“ sagte sie entschieden. „Aber wie kann ich das, wenn du so weibische Sachen machst. Du spionirst, du horchst, du bringst mich ins Gerede, du beschwörst den niedrigsten Klatsch herauf, – du hast gar keine Achtung vor mir.“
Falk stand am Fenster und sah hinaus. „Sie macht mich wahnsinnig,“ flüsterte er vor sich hin. „Überhaupt, was ist das für ein Sturm heute? Was soll das bedeuten? Die Welt ist in Aufruhr, das ist klar, klar. Finster ist die Nacht. Ich wollte, ich wäre da draußen. Vielleicht irgendwo auf der Landstraße, wo es stürmt und regnet, oder im tiefen Wald, nur nicht in diesem Zimmer. Ich hasse sie bitter.“ Diese wirren Worte entfielen ihm ganz unbewußt. Alles Gegenwärtige war ihm traumhaft und verschleiert, und er suchte seine Gedanken von dem Wirrsal, das in seiner Seele herrschte, abzulenken. Gift ist die Liebe, dachte er. Und doch, den Staub hätte er von den Dielen geküßt, wenn sie jetzt ein gutes Wort gesprochen hätte. All seinen Argwohn vergaß er im Nu, wenn sie zürnte.