Doktor Strygowski lachte. »Ich glaube, der Rat hat gefruchtet,« antwortete er. »Unsere Fischdiebe haben sich mit hinreichend langen Mänteln versehen.«

Lamm warf einen durchdringenden Blick auf den jungen Arzt. »Doktor Strygowski, wenn ich nicht irre –?«

»Strygowski ist mein Name. Ich bitte um Verzeihung, daß ich unterlassen habe –«

Lamm schüttelte ungeduldig den Kopf. »Nichts, nichts,« unterbrach er den Doktor. Dann ließ er abermals den Blick mit fast verletzender Unbekümmertheit auf dessen Zügen ruhen. Er war gefesselt von dem Ausdruck des Ernstes, der darin lag, und sagte: »Es wäre mir lieb, wenn Sie am Abend eine Stunde zu mir kommen würden. Ich habe einige Fragen an Sie zu richten.«

Doktor Strygowski erwiderte, er werde kommen, sobald es ihm seine Zeit erlaube.

»Herr Doktor, der Transport,« sagte Schwester Nina, die vom Eingangsflur heraufkam. Lamm kannte die schöne, blasse Frau Senoner. Er grüßte kühl.

Die Sanitätsleute kamen mit den Bahren. Regungslos lagen die verwundeten Männer, mit eingesunkenem Brustkorb und auf die Seite geneigtem Kopf. Ihre Gesichter waren von einem verwitterten Grau, das Blut war durch die Verbände gedrungen und klebte auf der Haut. Mit dumpf-ungläubiger Verwunderung sahen sie vor sich hin. Alles was sie wahrnahmen, verursachte ihnen eine mit Furcht gemischte Spannung, über die sie grübelten.

Hinter den letzten Trägern ging Olivia. Sie war in einen ziemlich groben Mantel gehüllt, das Gesicht war entfärbt. Als sie Robert Lamm gewahrte, nickte sie ihm ohne Lächeln zu.

Es war elf Uhr vorbei, als Doktor Strygowski in Robert Lamms Stube trat. Er entschuldigte sein spätes Kommen. Lamm deutete schweigend auf einen Sessel gegenüber seinem Lehnstuhl.

»Ich will über Olivia Khuenbeck mit Ihnen sprechen,« begann er ohne Umschweife. »Vielleicht ist Ihnen bekannt, daß Olivia während ihrer ganzen Jugend unter meiner Obhut gestanden ist. Ich fühle mich noch immer für das, was sie tut, verantwortlich. Möglich, daß es eine Torheit ist, aber es ist nun einmal so. Wie beurteilen Sie die Eignung Olivias zu dem Beruf, den sie sich hier erwählt hat?«