Ihr Entschluß war gefaßt.
Sie stand vor Robert Lamm in derselben Haltung wie vor dem Offizier. »Ich muß so schnell wie möglich nach Galizien, Robert,« sagte sie; »sei mir behilflich, daß ich morgen die nötigen Papiere erhalte.«
»Was willst du denn in Galizien tun?« fragte er.
Sie antwortete: »Ich muß zu Georg Ingbert. Georg Ingbert liegt sterbend in einem Feldspital.«
Lamm ging, an ihr vorüber, auf und ab. Nach einer Weile sagte er: »Ich werde die Papiere besorgen.« Dann, wieder nach einer Weile: »Wäre es dir lästig, wenn ich dich begleiten würde? Du brauchst auf dieser Reise einen Schutz.«
Sie sah ihn groß an. Statt etwas zu entgegnen, bot sie ihm die Hand. Er starrte darauf nieder, überwältigt. »Olivia, zwischen uns beiden steht das Schicksal in seiner ganzen Unerbittlichkeit,« murmelte er.
Sie schüttelte den Kopf. »Zwischen uns beiden ist nichts Trennendes mehr,« sagte sie mit schönem Lächeln und legte auch die linke Hand in seine.
Ungläubig hob er die Augen. Es gibt ein Glück, das wie Angst wirkt. »Zu spät, Olivia, zu spät,« stammelte er. »Ich bin ein gar zu irdischer Mensch. Die Sorte geht bei langem Warten an sich selbst zugrunde. Aber ich habe nun wenigstens die Genugtuung, daß ich nicht an ein törichtes Hirngespinst verraten war. In jeder Raserei liegt eine höhere Vernunft.«
Olivia, sichtlich müde, lehnte den Kopf an seine Schulter.
»Es ist möglich gewesen, das genügt mir,« fuhr er fort. »Die Verwirklichung wäre schon zu viel. Dein Leben hat sich eine Form geschaffen, die für meines zu weit, zu tief ist. Sie wieder einzuengen, steht nicht in deiner Macht. Wie sollten wir zu einer Gemeinsamkeit gelangen? Du kommst im rechten Augenblick; vielleicht hätt’ ich mich sonst vollends zerfleischt. Jetzt überseh’ ich den Weg; dich begleiten, das kann ich; dich für mich behalten darf ich nicht.«