[8] 24 Jahre später wurde Kapland von den Engländern unter Admiral Elphinstone und General Clarke erobert; 1814 kam es durch den Pariser Frieden endgültig in englischen Besitz.

Fünfzehntes Kapitel.

Heimreise. — Eine Sträflingsinsel. — St. Helena. — Grausame Behandlung der Sklaven daselbst. — Wieder zu Hause.

Am 14. April 1771 früh hoben wir den Anker und steuerten aus der Bai hinaus. Um 5 Uhr des Nachmittags befanden wir uns an der Pequin- oder Robininsel, wo wir für die Nacht vor Anker gingen. Da ich am Morgen der Windstille wegen nicht weiter konnte, so schickte ich ein Boot nach der Küste, um einige Kleinigkeiten einzukaufen, die ich am Kap zu kaufen vergessen hatte. Als sich das Boot der Küste näherte, wurde es angerufen und ihm die Landung untersagt. Gleichzeitig erschienen sechs Soldaten am Strand und stellten sich in Reih' und Glied mit angelegtem Gewehr auf. Um ein paar Köpfe Gemüse, denn darum handelte es sich, wollte der das Boot kommandierende Offizier kein Blut vergießen; er kehrte daher zum Schiff zurück. Anfänglich war uns die wenig gastfreundliche Art der Herren Holländer befremdlich, aber dann erinnerten wir uns, daß die Kapholländer ihre schweren Verbrecher auf diese Insel deportierten, wo sie in den Kalksteinbrüchen, deren es hier sehr viele gibt, schwer arbeiten mußten. Auch erinnerten wir uns des Vorfalls, der die Kapregierung bewogen hatte, künftighin jede Landung eines fremden Schiffes auf der Strafinsel zu untersagen. Der Fall war allerdings provozierend genug und macht die Rigorosität der Holländer verständlich. Der Kapitän eines dänischen Schiffes nämlich, dem seine Mannschaft durch Sterbefälle stark dezimiert worden und dem es nicht gelungen war, in Kapstadt so viele Ersatzmannschaften anzuheuern, als er zu seiner Heimreise gebrauchte, hatte die Wachmannschaften auf der Insel überfallen und sich so vieler Verbrecher bemächtigt, als er zur Bedienung seines Schiffes nötig hatte. Diesem Gewaltakt hatten wir es zu verdanken, daß man uns die Landung verwehrte, was wir sehr begreiflich fanden.

Am 25. erst konnten wir bei leichtem Ostwind die Anker heben und wieder in See gehen. Um 4 Uhr starb unser leichtlebiger Steuermann Robert Mollineux. Er war ein junger, sehr befähigter Seemann, aber zu seinem Unglück genoß er die Freuden des Lebens in vollen Zügen, so daß er sich selbst während seiner Krankheit nicht schonte. Aber sein Tod ging uns allen sehr nahe, denn er war die Lebensfreude selbst und in den fatalsten Lagen stets bei guter Laune.

Am 29. April passierten wir den Äquator. Wir hatten nunmehr die Welt von Osten nach Westen her völlig umsegelt. Natürlich veranstalteten wir bei dieser Gelegenheit ganz besondere Festlichkeiten, an denen sogar unsre Kranken und Rekonvaleszenten regen Anteil nahmen. Am 1. Mai erblickten wir bei Anbruch des Tages die Insel Sankt Helena. Am Mittag legten wir uns auf der Reede vor dem Fort James vor Anker, wo wir bis zum 4. Mai blieben.

Herr Banks, der sich vollständig wieder erholt hatte, machte in dieser Zeit eine Rundfahrt um die Insel herum. Sankt Helena liegt fast in der Mitte des Großen Ozeans und ist von der Küste Afrikas 400, von der Amerikas 600 Seemeilen entfernt. Die Insel besteht aus dem Gipfel eines ungeheuren Berges, der steil aus der unergründlichen Tiefe des Meeres hervorragt und nicht über zwölf Seemeilen lang und sechs breit ist. Bekanntlich ist in den Ländern, wo es Vulkane gibt, deren Sitz stets in den höchsten Bergen zu suchen. So ist der Ätna der höchste Berg von Sizilien und der Vesuv der von Neapel. In Island ist der höchste Berg der Vulkan Hekla; in Südamerika liegen die Vulkane in den höchsten Regionen der Anden und in dem berühmten Pik von Teneriffa. Alle diese Vulkane brennen noch. Aber es gibt noch eine Menge ausgebrannter Vulkane; unter diese gehört die Insel Sankt Helena. Ihre Oberfläche ist sehr uneben, bald Berg, bald Tal. Diese Ungleichheiten des Bodens sind dadurch entstanden, daß sich die Erde infolge der Wirkungen des unterirdischen Feuers stellenweise hob oder senkte. Jedenfalls ist die Insel vulkanischen Charakters, wie die dort vorkommenden Gesteinarten beweisen.

Als wir uns der Insel auf der Windseite näherten, sah sie einem ungestalten Haufen Felsen gleich, die nach der See hin fürchterlich steil abfallen und ohne jede Vegetation sind. Als wir noch ziemlich weit von der Küste entfernt waren, glaubten wir, daß uns die große Entfernung die Vegetation verberge; allein je näher wir kamen, desto trostloser sahen die kahlen Felsen aus. Einzelne Felsen neigen sich mit ihren Gipfeln gleichsam über die See, so daß wir unter ihnen hindurchfuhren; es sah geradezu beängstigend aus. Es war uns zumute, als wollten die Felsen herabstürzen. Der Anblick war so furchterregend und bedrohlich, daß wir unwillkürlich die Augen schlossen. Endlich gelangten wir an das Kapellental, das wie ein großer trockener Graben aussieht. Und in diesem traurigen Graben, dessen Boden mit spärlichem, dünnem Graswuchs bedeckt ist, liegt die Stadt.

So sieht auf den ersten Anblick die Insel aus. Hinter den Bergen erst beginnt die Vegetation, die allerdings ebenso reich wie vielseitig ist und die Produkte aller Zonen hervorbringt. Die Stadt liegt hart am Strande. Sie besitzt viele, schlecht gebaute Häuser, eine alte, baufällige Kirche und ein ebenso altes Stadthaus. Alle weißen Einwohner der Insel, die im Besitz der Englisch-Ostindischen Kompanie ist, sind Engländer. Allein da sie für ihre Rechnung keine Schiffahrt zum Zweck des Handels treiben dürfen — die Kompanie hat dieses Verbot erlassen — so sind sie auf den Kleinhandel angewiesen, den sie mit den einlaufenden Schiffen treiben. Dennoch könnten sie gute Geschäfte machen, würden sie sich die Lage der Insel, auf der nicht nur alle europäischen, sondern auch alle ostindischen Landesprodukte gedeihen, mehr zunutze machen.

Es gibt zwar Pferde genug auf der Insel, doch dienen sie nur zum Reiten. Als Lasttiere dienen hier die Sklaven, und diese Unglücklichen, die fast aus allen Gegenden der Welt hier zum Verkauf kommen, werden in der fürchterlichsten Weise ausgenützt und durch die schweren Arbeiten, die man ihnen aufbürdet, auf die schnellste Weise aufgerieben. Die unerhörtesten Mißhandlungen und die unglaublich rohe Behandlung, denen die hiesigen Sklaven ausgesetzt sind, machen sie zu den unglücklichsten Menschen unter der Sonne. Es tut mir leid, daß ich die Klagen dieser Unglücklichen für berechtigt halten und daß ich zur Schande meiner Landsleute hier konstatieren muß, daß sie ihre Sklaven weit grausamer und unmenschlicher behandeln als die Holländer am Kap und in Batavia die ihrigen. Und die holländischen Sklavenhalter sind doch dafür bekannt, daß sie aller Menschlichkeit bar sind.