Um diese Zeit starb eine alte Frau von Rang, die mit der Tomio verwandt war. Dies verschaffte uns die längstersehnte Gelegenheit, einem Leichenbegängnis beizuwohnen. In der Mitte eines Vierecks, das mit einem schönen Gitter umgeben war, wurde eine Wetterdecke über zwei Pfosten ausgespannt. Darunter wurde die Leiche auf eine primitive Bahre gelegt und der Verwesung überlassen. Neben ihr wurden Brotfrüchte und andere Lebensmittel niedergelegt, und in der Nähe wurden einige Hütten errichtet, worin die nächsten Anverwandten und der vornehmste Leidtragende, diesmal Tubourai Tamaide, den Zeitpunkt der Verwesung abwarteten, um dann die Gebeine zu beerdigen.
Herr Banks war so begierig, in die Geheimnisse einer solchen Feierlichkeit einzudringen, daß er sich zur bestimmten Zeit nach dem Orte begab, wo der Leichnam lag. Die Tochter der Verstorbenen empfing ihn daselbst, umgeben von allen Leidtragenden, unter denen sich auch ein Knabe von etwa vierzehn Jahren befand. Tamaide trug als der Hauptleidtragende eine seltsame Maske. Herr Banks mußte sich nackt ausziehen; man wickelte ihm ein Lendentuch um den Leib und färbte seinen Oberkörper mit Kohlenstaub und Wasser so lange, bis er schwarz wie ein Neger war. Diese Förmlichkeit nahm man auch mit den andern, unter ihnen einige Frauen und Mädchen, die sich gleichfalls nackt ausziehen mußten, und mit dem Knaben vor. Tubourai Tamaide sprach jetzt eine Art von Trauergebet, dann setzte sich der Zug in Bewegung. Als man an das Haus Tamaides kam, betete dieser wiederum, dann nahm der Zug seinen Weg nach dem Fort hin. Die nicht zum Trauergeleite gehörenden, in der Nähe des Forts angesiedelten Insulaner flüchteten beim Herannahen des Zuges in die Wälder, und so war es überall, wo sich dieser zeigte. Banks hatte als sogenannter »Niniveh« mit noch zwei andern das Amt, darüber zu wachen, daß kein lebendes Wesen in den Häusern weilte, und hatte dies Tamaide mit dem Worte: imatata! es ist niemand da! zu melden. Der erste Leidtragende trug in seiner Hand einen langen, flachen Stock, dessen Ränder mit scharfen Seehundszähnen besetzt sind. Entdeckt er einen Fremden, so verprügelt er ihn aufs unbarmherzigste mit dieser Waffe. Nach dem Umzug wuschen sich alle Teilnehmer im Flusse.
Die letzten Fleischteile der Leiche wurden im Verwesungshause, dem Tupapow, sorgfältig von den Knochen abgeschabt, worauf diese in dem ummauerten Begräbnisplatz, dem Morai, begraben wurden. War der Verstorbene ein Arrih, ein Häuptling, so wird seine Hirnschale in einem besonderen Kästchen neben seinen Gebeinen begraben. Alsdann ist die Trauer zu Ende. Offiziell wenigstens. Es kommt oft vor, daß sich besonders die Frauen später noch mit den Seehundszähnen verwunden, wenn sie sich bei irgendeiner Gelegenheit an den Verlust eines teuren Anverwandten erinnern. Dies war auch bei der Terapo der Fall, als sie sich in unsrer Gegenwart scheinbar ohne jeden Grund mit dem Seehundszahn bearbeitete. Ihren Begräbnisplatz halten die Eingeborenen heilig. Ich hatte ein Boot unter dem Kommando eines Offiziers an Land geschickt, um Steinballast zu holen. Weil nun der Offizier nicht gleich die nötigen Steine fand, ließ er eine Moraimauer niederreißen. Die Insulaner widersetzten sich dem mit Gewalt. Herr Banks eilte hinzu und stiftete Frieden, indem er die Matrosen nach dem Flusse schickte, wo es Steine genug gab. Es ist gewiß sehr charakteristisch, daß die Eingeborenen von Otahiti gegen das, was man ihren Toten antat, weit empfindlicher als gegen das waren, was man mit den Lebenden vornahm. Das einzige Mal, wo sie es wagten, die Hand an einen von uns zu legen, geschah dies aus ähnlichem Anlaß. Unser Schiffsarzt Monkhouse pflückte nämlich eines Tages eine Blüte von einem Baum, der sich in einem Morai befand. Einer der Eingeborenen, der ihn mit Entrüstung beobachtet hatte, rannte ihn wütend an und schlug auf ihn ein. Monkhouse erwischte den Kerl, doch eilten diesem zwei andre zu Hilfe und zogen Monkhouse an den Haaren, so daß er seinen Gefangenen los lassen mußte, der mit seinen Befreiern schnellfüßig flüchtete.
Am Abend des 19. Juni bekamen wir einen Besuch der Königin; es befremdete uns aber nicht wenig, daß Oberea ohne die uns gestohlenen Kleider erschien, obschon sie wußte, daß wir sie für die Hehlerin hielten. Sie erklärte uns zwar, daß sie ihren Günstling Obadec davongejagt hätte, der der Dieb sei, allein sie mußte fühlen, daß wir ihrem Märchen keinen Glauben schenkten. Trotzdem lud sie sich wieder bei Herrn Banks zum Nachtquartier ein, was ihr abgeschlagen wurde. Daraufhin zog sie sich maulend zurück. Am nächsten Morgen erschien sie wieder und brachte uns zur Versöhnung ein Schwein und einen Hund mit. Weil wir erfahren hatten, daß die Insulaner das Fleisch ihrer Hunde für einen großen Leckerbissen halten und es sogar dem Schweinefleisch vorziehen, kam uns die Lust an, uns den Hund braten zu lassen. Der Minister und Oberpriester der diebischen Königin, Tupia, erhielt den Auftrag, das Tier für uns zuzubereiten. Um den Hund zu töten, hielt er ihm mit aller Kraft über eine Viertelstunde Maul und Nase zu. In dieser Zeit war ein fußtiefes Loch gegraben und in dieses waren kleine Steine schichtweise zwischen das brennende Holz gelegt worden. Hierauf wurde der Hund über das Feuer gehalten, seine Haare wurden abgesengt und seine Haut wurde mit einer Muschel so rein abgeschabt, als wäre er in heißem Wasser gebrüht worden. Alsdann wurde er mit derselben Muschel geöffnet. Man nahm die Eingeweide heraus, reinigte sie in der See und legte sie dann in die Kokosnußschalen, in denen man das Blut aufgefangen hatte. Alsdann entfernte man den Brand aus dem Loch, in das ein Teil der heißen Steine gelegt wurde. Über diese kam frisches Laub, auf das der Hund und die Eingeweide gelagert wurden. Man bedeckte beides mit Blättern und legte über diese den Rest der heißen Steine. Dann wurde das Loch mit Erde zugedeckt. Nach etwa vier Stunden wurde der Braten herausgenommen, der nach unserm einstimmigen Urteil ganz delikat schmeckte. Die zum Verspeisen gezüchteten Hunde werden nicht mit Fleisch, sondern mit Brotfrucht, Kokosmilch und Yamswurzeln, einer Kartoffelart, gemästet.
Am 21. Juni wurden wir von Oamo besucht, einem sehr mächtigen Oberhäuptling, dem die Eingeborenen mit großer Ehrfurcht begegneten. Oamo kam mit einem Knaben von sieben Jahren und einem jungen Mädchen von etwa sechzehn Jahren. Der Knabe wurde von einem Manne getragen. Sobald man sie kommen sah, entblößten Oberea und sämtliche Eingeborenen innerhalb und außerhalb des Forts den Oberkörper und schritten so den Ankommenden entgegen. Diese Entblößung war so gut wie die des Unterkörpers seitens der Ooratooa ein Zeichen ganz besonderer Ehrfurcht. Noch merkwürdiger war, daß die Insulaner wohl Oamo, nicht aber den Knaben und das Mädchen zu uns ins Fort ließen. Wir hörten später, daß Oamo der Gemahl der Königin war, von der er getrennt lebte. Der Knabe (der Thronerbe) und das Mädchen waren ihre Kinder. Das Mädchen war die Verlobte ihres Bruders Teridiri. Der wirkliche Oberkönig war ein Sohn des Oberhäuptlings Whappai namens Outou. Whappai, Oamo und Tootahah waren Brüder; Whappai war der älteste und Oamo war der zweite Bruder. Weil nun Whappai nur einen einzigen Sohn hatte, nämlich den Outou, so war Teridiri als der Sohn Oamos Kronprinz. Nach den Gebräuchen des Landes erbt ein Sohn mit seiner Geburt den Titel und die Macht seines Vaters. Das Volk wählt alsdann einen Regenten, gewöhnlich den Vater. Diesmal war die Wahl zum Regenten für Outou auf seinen Oheim Tootahah gefallen, weil sich dieser in einem Kriege ganz besonders ausgezeichnet hatte. Der intelligenteste von den drei Brüdern war jedenfalls Oamo, wie aus seinen Erkundigungen über England u. a. hervorging.
Die Besuche der verschiedenen Potentaten reizten uns zu einer Umschiffung der Insel, die denn auch Banks und ich am 26. Juni früh um 3 Uhr mit dem Maler Parkinson in der Pinasse bewerkstelligten. Wir nahmen unsern Weg ostwärts und landeten in Oahounue, das von dem jungen Oberhäuptling Ahio regiert wurde, der uns bereits mehrere Male besucht hatte. Außer ihm trafen wir dort noch unsre alten Freunde Tituboalo und Hoona an, die uns hoch erfreut bewirteten. Von hier gingen wir zu Fuß weiter, während uns die Pinasse in Hörweite folgte. Unsre Freunde gaben uns das Geleite bis zum Hafen Ohidea, wo Herr von Bougainville mit der »Boudeuse« vor Anker gelegen hatte. Die Eingeborenen zeigten uns noch den Lagerplatz der Franzosen.
Wir stiegen hierauf in die Pinasse und luden Tituboalo ein, uns an die andere Seite der Bai hinüberzubegleiten. Er weigerte sich aber und riet uns von diesem Wagnis ab, weil die Eingeborenen auf der andern Seite nicht Untertanen des Tootahah wären und uns alle ermorden würden. Man kann sich leicht denken, daß wir uns dadurch nicht ins Bockshorn jagen ließen. Wir luden aber unsere Büchsen mit Kugeln. Tituboalo, der das mit ansah, setzte so viel Vertrauen in den Blitz und den Donner unserer Gewehre, daß er sich anders besann und zu uns an Bord kam. Nachdem wir die Nacht hindurch gerudert hatten, gelangten wir im Innern der Bai an eine Landenge, die Otahiti in zwei Teile teilte. Wir übernachteten auf unsrer Seite. Auf Befehl der Ooratooa, eben jener Dame, die Banks im Fort eine so eigenartige Reverenz erwiesen hatte, wurden wir hier gastfreundlich aufgenommen und beherbergt. Am nächsten Morgen sahen wir uns unsere Umgebung an und fanden, daß sie aus einem etwa zwei englischen Meilen breiten, sumpfigen Moorland bestand, über das die Eingeborenen ihre Kähne bis zur See hinüberziehen. Wir setzten hierauf unsere Reise nach dem feindlichen »Königreich« fort, das nach Tituboalos Angaben Tiarrabou hieß und von dem König Waheatua beherrscht wurde. Unser indianischer Reisegefährte schien neuen Mut gefaßt zu haben. Das Volk von Tiarrabou, prophezeite er uns jetzt weniger bedrohlich, würde uns zwar nicht töten, aber es würde uns regelrecht verhungern lassen. Und in der Tat hatten wir, seitdem wir mit ihm unterwegs waren, keine Brotfrüchte gesehen. Nachdem wir etliche Meilen weit gerudert waren, landeten wir in einem Gebiete, dessen Oberhäuptling Maraitata, der Männer Grab, hieß. Der Name seines Vaters war nicht weniger einladend, denn dieser nannte sich Pahairedo oder der Boote Dieb. Diese Namen schienen allerdings die Weissagungen Tituboalos zu bestätigen, allein wir erfuhren doch bald zu unserer angenehmen Überraschung, daß unser Freund grau in grau gemalt hatte, denn Vater und Sohn empfingen uns mit ungemeiner Höflichkeit, gaben uns Lebensmittel und verkauften uns sogar ein sehr großes Schwein für ein Beil. Das Volk strömte in Menge herbei, uns zu bewundern, doch fanden wir in dem großen Haufen nicht mehr als zwei bekannte Gesichter. Wir bemerkten auch keine Glaskorallen oder sonstigen Zierate an ihnen, die von uns hätten herstammen können, obwohl wir europäischen Tand genug an ihnen bemerkten. Wir entdeckten in einem der Häuser sogar zwei Kanonenkugeln, die nach der Angabe des Besitzers von den Franzosen herstammen sollten, nach dem breiten Pfeil aber, den sie als Zeichen trugen, vom Dolphin des Kapitäns Wallis stammen mußten.
Hierauf kamen wir in ein Gebiet, das unmittelbar unter der Regierung des Königs Waheatua stand. Ob er, da er einen Sohn hatte, die Regierung als Regent oder als Selbstherrscher führte, ist uns nicht bekannt geworden. Dieses Reich bestand aus einer großen, fruchtbaren Ebene, die von einem Fluß durchquert wird, der so breit ist, daß wir uns in einem Kahne übersetzen lassen mußten. Unser indianisches Gefolge aber wollte lieber hinüberschwimmen und sprang munter wie eine Koppel Jagdhunde ins Wasser. In dieser Gegend fanden wir kein bewohntes Haus, dagegen die Reste vieler Häuser, die sehr groß gewesen sein mußten. Die Küste bildet hier eine von den Eingeborenen Oaitipeha genannte Bai. Wir marschierten den schönen Strand entlang und fanden endlich den mächtigen Beherrscher dieses Teils der Insel neben schönen Wetterdecken sitzen, unter denen er mit seinem ganzen Hofstaat zu schlafen pflegte. Waheatua war ein hagerer alter Mann mit schneeweißem Haar und Bart; er hatte eine wunderschöne Frau von etwa fünfundzwanzig Jahren bei sich, die Toudide hieß. Wir hatten den Namen dieser Dame oft gehört, und nach allem, was man uns von ihr erzählt hatte, mußte sie die Oberea dieser Insel sein. Wir verweilten einige Zeit und kauften Nahrungsmittel ein, darunter von dem Sohne des Königs, dem Prinzen Tiarih, ein Schwein. Tiarih entschloß sich dann uns zu begleiten. Nach feierlichem Abschied von dem alten König und der schönen Königin marschierten wir weiter. Das Land, in das wir alsdann gelangten, war besser kultiviert als alle andern, die wir bisher gesehen hatten. Die Bäche waren zu beiden Seiten mit Dämmen von Steinen eingefaßt und glichen regelrechten Kanälen; selbst die Küste war mit Steindämmen versehen. Die Häuser waren weder zahlreich noch groß. Dagegen fanden wir viele schöne, große Kähne längs der Küste auf den Strand gelagert, die mit großer Sorgfalt gebaut, mit größeren Hinterteilen und mit Wetterdächern versehen waren, die auf Pfeilern ruhten. Fast auf jeder Landspitze befand sich ein Grabmal, das mit großer Sorgfalt und vieler Kunst ausgeführt war. Die Pfosten waren mit Schnitzwerk versehen, das aus Figuren von Menschen und Vögeln bestand. Unter den Figuren fielen uns ein rot und gelb bemalter Hahn und unförmliche Menschengestalten auf, die reihenförmig übereinander angebracht waren. Trotz der scheinbaren Fruchtbarkeit dieses Landstrichs gab es keine Brotfrüchte. Die Bäume waren leer, und die Einwohner schienen hauptsächlich von Nüssen zu leben, die den Kastanien ähnelten und Aehi genannt wurden.
Müde vom Marsch riefen wir die Pinasse herbei, fanden aber unsere indianischen Freunde Tituboalo und Tuahow nicht darin. Wir nahmen daher Tiarih und seinen Begleiter an Bord und steuerten dann nach dem Eiland Otooareite, wo wir übernachteten. Ein Teil des nächsten Morgens verstrich unter den fruchtlosen Bemühungen Lebensmittel zu erhalten, dann setzten wir unsere Reise um die südöstliche Landspitze fort. Diese Reise machten wir teils im Boot, teils zu Fuß. Nach einem Marsche von drei Meilen gelangten wir an einen Platz, wo wir viele Kähne und viel Volk antrafen, in dem wir außer Tuahow noch eine Reihe guter Bekannten entdeckten, von denen wir einige Kokosnüsse einhandelten. Wir nahmen Tuahow, der lange bei Waheatua auf uns gewartet hatte, an Bord und ruderten weiter. In einer Gegend, die der Oberhäuptling Mathiabo beherrschte, hielten wir an, um Lebensmittel einzutauschen. Mathiabo kam selbst an den Strand, überhörte aber hartnäckig unsere Wünsche. Bei seinen Untertanen konnten wir uns besser verproviantieren. Dem Reiz einer leeren Glasflasche vermochte aber Seine Exzellenz nicht zu widerstehen; er gab uns ein junges Schwein dafür und schien stolz auf sein Handelstalent. Er hatte eine Gans und einen Welschhahn im Besitz, die der Dolphin zurückgelassen hatte. Die Indianer hatten ihre ganz besondere Freude an diesen Tieren, die erstaunlich fett und zahm geworden waren. In einem Hause fanden wir fünfzehn frische menschliche Kinnbacken an einem halbrunden Brett befestigt. Was das bedeuten sollte, konnten wir nicht in Erfahrung bringen, weil man uns entweder nicht verstand oder nicht verstehen wollte. Mathiabo erbot sich uns zu begleiten. Mit Freuden erteilten wir ihm die Erlaubnis, denn wir ahnten nicht, daß er uns als Pilot nur deshalb die vorzüglichsten Dienste leistete, um uns desto besser bestehlen zu können. Am Abend gelangten wir vor die Bai, die sich an der nordwestlichen Seite der Insel an der die letztere teilenden Landenge befindet, und fast ganz bis an jene auf der südöstlichen Seite der Insel gelegene Bai heranreicht. Wir ruderten an der Küste dieser Bai hin. Als wir zwei Drittel des Weges zurückgelegt hatten, entschlossen wir uns an Land zu übernachten. Wir steuerten auf ein großes Haus zu, das, wie Mathiabo sagte, seinem Freunde, dem Oberhäuptling Wiverou, gehörte. Es dauerte nicht lange, so kamen uns verschiedene Kähne vom Strand entgegen. Wir entdeckten darin eine Anzahl auffallend hübscher Frauen und Mädchen, die ihren Gesten und Winken und ihrem unzweideutigen Betragen nach ausdrücklich abgeschickt zu sein schienen, um uns durch ihre Reize ans Land zu locken. Da wir die Absicht hatten an Land zu gehen, so bedurfte es seitens der braunen Sirenen keiner großen Verführungskünste.
Der Oberhäuptling empfing uns sehr freundlich und befahl seinen Leuten, uns unser Nachtessen, zu dem wir Mathiabo eingeladen hatten, bereiten zu helfen. Die Häuptlinge speisten in unsrer Gesellschaft, und es ging sehr heiter und aufgeräumt zu. Während der Nacht flüchtete Mathiabo mit einem ihm von uns geliehenen Überrock. Wir entdeckten den Frevel sogleich und verfolgten den Dieb, der in seiner Angst den gestohlenen Mantel von sich warf, worauf wir ihn laufen ließen. Der Zwischenfall hatte das ganze Haus in Aufregung gebracht. Allein unser Schrecken wurde zur Verzweiflung, als uns um 5 Uhr des Morgens unsre Schildwache mit der Nachricht weckte, daß das Boot verschwunden sei. Der Mann hatte es noch vor einer halben Stunde vor Anker liegen sehen. Kurz darauf hörte er rudern, und als er sich umblickte, war das Boot verschwunden. Nunmehr stand es äußerst mißlich mit uns, und wir hatten alle Ursache in Verzweiflung zu geraten. Da völlige Windstille herrschte, so konnten wir natürlich nicht vermuten, daß sich die Pinasse von ihrem Anker losgerissen habe, sondern wir befürchteten, daß die Insulaner unsere schlafenden Bootsleute überfallen und ermordet und sich der Pinasse bemächtigt hätten. Wir waren nicht mehr als unser vier und besaßen ein paar geladene Pistolen, eine geladene Kugelbüchse, aber sonst keine Munition, und waren gegenüber einem Angriff der Eingeborenen, den wir jeden Augenblick befürchten mußten, rettungslos verloren. Man kann sich also unser Entzücken ausmalen, als wir die Pinasse nach einigen Stunden mit der Flut zurückkehren sahen. Sie war durch die Ebbe losgerissen und abgetrieben worden, ein Umstand, an den wir in der Bestürzung und Verwirrung nicht gedacht hatten. Nach dem Frühstück fuhren wir unserer Halbinsel zu.