Auf dem Grunde zerstreut grasten, von indianischen Knaben gehütet, die Rosse der Pawnees; unter ihnen befand sich auch der Asinus des Doktor Battius, den der letztere damals seinen Gastfreunden als Geschenk belassen hatte. Der ehrliche Graue war dick und fett geworden und wurde von Paul mit fröhlichem Lachen begrüßt.
Middleton hatte, ehe er das Dorfgebiet betrat, einen Boten vorausgesandt, der sein Kommen den Häuptlingen melden sollte. Vergeblich aber wartete er auf eine Antwort, auf ein Zeichen des Willkommens, wie es dem indianischen Brauche entsprochen hätte. Er vermochte sich diese Unterlassung nicht zu erklären. Unweit des Dorfes kam man an einer der ausgestellten Schildwachen vorbei; der junge Krieger schaute sich nach ihnen um, wendete dann aber, ohne sich zu rühren, sogleich seinen Blick wieder dem Dorfe zu.
„Da muß etwas Außergewöhnliches vorgehen,“ sagte Middleton kopfschüttelnd. „Seht nach den Waffen, Leute, damit wir auf alle Fälle bereit sind.“
„Sachte, Hauptmann,“ entgegnete Paul. „Wenn's auf der Prärie noch einen ehrlichen Kerl gibt, so ist das unser Freund Hartherz, darauf will ich leben und sterben! Seht, da kommen auch schon die Abgesandten — allerdings sehen sie eher kopfhängerisch und mattherzig, als ‘hartherzig’ aus.“
Paul hatte recht. An der Spitze eines Trupps von etwa zwölf Reitern kam Hartherz selber ihnen entgegen. Aber des Hauptmanns Erstaunen wuchs noch mehr. Keiner der Indianer trug Waffen, keiner wies auch nur den geringsten Schmuck an seinem Körper auf. Langsam und feierlich zogen sie heran, und die gegenseitige Begrüßung war ernst und gleichsam bedrückt. Da Hartherz nur die allernötigsten Worte geredet hatte, so verhielt sich auch Middleton zurückhaltend und schweigsam, und so rückte man lautlos und in gepreßter Stimmung in das Dorf ein.
Hier sah des Hauptmanns unruhig umherschweifendes Auge auf dem freien Platze inmitten der Wigwams die ganze Bewohnerschaft versammelt. Dieselbe bildete, nach Rang, Alter und Geschlecht geordnet, einen weiten Kreis. Auf einen Wink des Häuptlings öffnete sich derselbe; die Gäste ritten hinein und stiegen von den Pferden, die sogleich fortgeführt wurden.
Jetzt nahm Hartherz den Hauptmann und Paul bei den Händen und geleitete sie noch feierlicher als zuvor zu einer kleinen Gruppe, die des Kreises Mittelpunkt bildete. Hier zeigte sich des Rätsels Lösung.
Auf einem rohgezimmerten, aber augenscheinlich mit liebevollster Sorgfalt hergestellten, bequemen Sessel saß der Trapper, der greise Nathaniel Bumppo. Die Herzutretenden erkannten auf den ersten Blick, daß er im Begriff war, die letzte lange Reise anzutreten. Sein Blick war gläsern, seine Züge ein wenig hagerer als sonst, weiter aber zeigte sein Äußeres keine Veränderung.
Man hatte ihn so gesetzt, daß der Schein der sinkenden Sonne voll auf ihn fiel. Er war barhäuptig; die dünnen, weißen Locken wehten leise im sanften Abendwinde. Auf seinen Knien lag die lange Büchse, die übrigen Jagdgeräte befanden sich im Bereich seiner Hand. Zu seinen Füßen sah man die Gestalt eines ruhenden Hundes, Middleton aber erkannte bald, daß dies nur noch das von liebenden Händen ausgestopfte Fell des treuen Hektors war. Sein eigener Hund spielte in der Nähe mit dem Kinde des gefallenen Mahtoree, denn Tachechana hatte unter den Weibern der Pawnees eine Zuflucht gefunden. In des Sterbenden Nähe standen einige greise Indianer, um Zeugen zu sein, wie ein gerechter und furchtloser Krieger den Weg nach den glücklichen Gefilden des Jenseits antrat.
Hartherz neigte sich zu dem Sterbenden.