„Ja, ja,“ murmelte er schwermütig, „das hätte ich wissen können, hab' ich's doch früher schon oft genug erlebt! So treibt's der Mensch. Er zähmt die Tiere des Feldes zu seinem Dienst, raubt ihnen aber ihr natürliches Futter und zwingt sie, das Laub der Bäume zu fressen, die sonst in der mittagsheißen Öde so kühlen Schatten spendeten! Aber warum beklage ich mich? habe ich sie doch selber hierher geführt.“

Ein Geräusch in dem Gebüsch, das der zerstörenden Axt entgangen war, erregte seine Aufmerksamkeit. Blitzschnell, dem alten Jägerinstinkt gehorchend, lag die Büchse schußfertig in seiner Hand. Gleich darauf aber ließ er die Waffe sinken.

„Komm hervor,“ sagte er mit trauriger Stimme, „komm hervor, Mensch oder Tier, du hast von meinen alten Händen nichts zu fürchten. Ich bin satt und bedarf keines Wildbrets, warum sollte ich daher Blut vergießen? Es wird nicht mehr lange währen, dann sitzen die Vögel auf meinem Gebein und picken nach meinen Augen; denn der menschliche Leib ist der Vernichtung geweiht, und auch ich werde nicht ewig leben. Also komm getrost hervor, von meinen alten Händen hast du nichts zu fürchten.“

„Dank für die freundliche Gesinnung, alter Trapper,“ rief eine muntere Stimme, und gleich darauf trat Paul Hover aus dem Dickicht ins Freie heraus. „Im ersten Moment erschrak ich wirklich, denn Ihr schlugt an wie einer, dem keine Kugel fehlgehen kann.“

„Da habt Ihr nicht ganz unrecht,“ antwortete der Alte, lautlos in sich hineinlachend, „nicht ganz unrecht, junger Mann. Es gab eine Zeit, wo keiner eine Büchse besser zu handhaben wußte als ich, wo es gefährlich war, in Hörweite von mir ein Blatt rascheln zu lassen, ja, und wo ein roter Mingo tot war, wenn er mir aus seinem Versteck auch das Gefunkel seines Auges zeigte. Ihr habt doch von den roten Mingos gehört?“

„Von Mingos, nein; wohl aber kenne ich die Minks, das sind Tiere mit wertvollem Pelzwerk,“ antwortete der Bienenjäger, vorsichtige Blicke um sich werfend und dann den Trapper sanft mit sich in das Gebüsch hineinziehend.

Wieder überließ sich der Alte seinem unhörbaren Lachen. Seine Entgegnung verlor sich jedoch in dem Geraschel des Dickichts, in welchem die beiden im nächsten Augenblick verschwunden waren.


Seit den geschilderten Ereignissen war eine Woche vergangen. Den Andeutungen des Trappers folgend, hatten die Emigranten den Berg bald gefunden, der ihnen als Zuflucht dienen sollte. Derselbe war eigentlich nichts als ein Felskegel, der, von Gestrüpp umwuchert, steil und fast unzugänglich aus der Ebene emporragt. Auf dem flachen Gipfel desselben errichteten sie einige Hütten aus Baumästen und ähnlichem Material, und unweit des Abhanges, auf erhöhter Stelle, wurde das geheimnisvolle Zelt aufgeschlagen, dessen weiße Leinwand wie ein Schneefleck weit in die Ferne hinaus leuchtete.

„Lange können wir hier nicht bleiben,“ sagte Ismael, als er eines Morgens mit seinem Schwager am Fuße des Felskegels stand und mißmutig in die hier sehr dürre und steinige Prärie hinausblickte. „Wenn wir nicht elend verhungern wollen, müssen wir machen, daß wir bald wieder fortkommen. Auch sonst haben wir beide Grund genug, die Gegend zu erreichen, die wir uns als Ziel setzten.“