Abiram sah ihn aus seinen falschen Augen verständnisvoll an, enthielt sich jedoch der Antwort, da jetzt einige der Söhne Ismaels herzutraten.
„Ich habe Ellen Wade, die da oben Ausguck hält, angerufen, ob sie etwas sieht,“ bemerkte einer der jungen Männer, „aber sie tat, als hörte sie mich gar nicht. Und doch scheint sie irgend etwas in der Ferne aufmerksam zu betrachten.“
Der Vater schaute in die Höhe. Dort, hundert Fuß über der Ebene, auf einem Felsstück unmittelbar am Abhange und dicht neben dem Zelte, saß Ellen und lugte unbeweglich nach einer Richtung in die Ferne.
Plötzlich entfuhr ihm ein Ruf zornigen Schreckens, der blitzschnell nun auch die Blicke aller übrigen nach dem Gipfel des Felskegels lenkte.
„Ha!“ rief Abiram, mehr erschrocken als zornig.
Die jungen Männer aber standen mit vor Erstaunen weit offenem Munde. Denn neben Ellen war eine zweite Gestalt erschienen, die eines jungen Weibes von wunderbarer Schönheit. Ein dunkles, schimmerndes Seidengewand umflatterte ihre Glieder, und langes, rabenschwarzes Lockenhaar wallte windbewegt um ihr Haupt.
Eine Weile standen die Männer in stummem Anschauen dieser Erscheinung, dann aber nahm Asa, der älteste der Söhne, das Wort.
„Das also ist das Tier, das ihr angeblich zum Anlocken des Präriewildes mitgenommen habt, und mit dem ihr immer so heimlich getan,“ sagte er voll Hohn zu dem ihn scheu ansehenden Abiram, da er es vorzog, sich nicht direkt an seinen Vater zu wenden. „Daß du es mit der Wahrheit nie genau genommen hast, wußte ich längst, aber solch eine grobe Lüge erwartete ich doch nicht. Die Zeitungen in Kentucky haben dich hundertmal einen Sklavenhändler gescholten; sie ahnten jedoch sicher nicht, daß du den Handel auch auf weiße Menschen ausdehntest.“
„Wen nennst du hier einen Sklavenhändler?“ fuhr Abiram erbost auf. „Sieh dir deine eigene Familie an, mein Junge. Gar manchen Aufruf habe ich an den Häusern und Bäumen angeschlagen gesehen, der eine gute Belohnung denen verhieß, die deines Vaters, deiner Mutter, ja und auch deinen Verbleib so nachweisen konnten, daß das Gericht euch zu fassen imstande war! Reich könnte ich heute sein, wenn ich euch Sippschaft —“
Er redete nicht weiter, denn Asa versetzte ihm mit der verkehrten Hand einen solchen Schlag auf den Mund, daß er fast zu Boden getaumelt wäre.