„Du hast den Bruder deiner Mutter geschlagen, Asa!“ sagte der Vater finster und streng.

„Den Verleumder unserer Familie habe ich gezüchtigt,“ entgegnete der Sohn heftig, „einen Menschen, der verdiente, daß man ihm die giftige Zunge herausschnitte!“

„Schweig, ich befehle es dir!“ herrschte der Squatter den Zornigen an. „Du kennst mich, also kein Wort weiter. Auch du, Abiram, bist ruhig. Du hast schlimme Dinge gegen mich und die Meinen ausgesprochen. Wenn die Schergen des Gerichts ihre Zettel an die Blockhütten und an die Baumstümpfe in den Lichtungen nagelten, dann geschah das nicht, weil ich unehrliche Handlungen beging, sondern weil ich der Ansicht war und heute noch bin, daß die Erde, der Wald und das Wild freies Eigentum aller Menschen sind. Nein, Abiram, könnte ich meine Hände ebenso leicht von dem reinigen, was ich auf dein Anstiften tat, wie von meinen sonstigen Sünden, dann würde mein Schlaf ruhiger sein, und meine Angehörigen brauchten sich meines Namens nicht zu schämen. Aber nun Friede; machen wir das, was schlimm ist, nicht noch schlimmer.“

Der Streit hatte die Aufmerksamkeit der Männer von der wunderbaren Erscheinung auf der Höhe des Berges abgelenkt; als man jetzt hinaufblickte, war diese nicht mehr sichtbar. Asa, phlegmatisch wie alle Leute von seiner gewaltigen Kraft und Körpergröße, beruhigte sich sehr bald wieder. Nicht so Abiram; man sah es dem tückischen Ausdruck seiner Augen an, daß er von jetzt an einen tödlichen Haß gegen seinen Neffen mit sich herumtragen würde.

Ismael aber erstieg das Lager und begab sich in das Zelt, in welchem er einige Zeit verweilte; als er wieder im Freien erschien, war sein Antlitz erregt und finster.

Nach kurzer Rücksprache mit seiner Frau stieg er aufs neue zur Ebene hinab, und bald darauf zog er mit seiner ganzen Schar fort zur Jagd; denn die Mutter hatte ihm mitgeteilt, daß das Fleisch für die Kochtöpfe auf die Neige ginge.


Um die Zeit, als die Emigranten ihre Felsenburg verließen, saßen etwa in Kanonenschußweite von derselben zwei Männer in einer kleinen, von einem Bache durchrieselten Bodensenkung, eifrig beschäftigt, eine herzhafte Mahlzeit einzunehmen. Dieselbe bestand in dem saftigen Fleische eines Büffelhöckers, der sachkundig von dem erlegten Wilde abgelöst und zwischen erhitzten, mit Erde bedeckten Steinen, nach der uralten Sitte der Wildnis, gar gemacht worden war. Die Schmausenden waren der Trapper und der Bienenjäger. Letzterer lobte die Kochkunst seines alten Gefährten mit wahrer Begeisterung, wobei er unermüdlich mit vollen Backen kaute; der Trapper, der bald gesättigt war, hörte lächelnd zu und versorgte dabei seinen treuen Hektor mit den weichsten und leckersten Bissen. Auf ein leises, warnendes Knurren des klugen Tieres blickte er um sich und gewahrte in einiger Entfernung einen kleinen Mann, der frei, wenn auch mit zögernden Schritten, herankam. Als Paul Hover den Fremden erspähte, stopfte er die saftigen Fleischstücke mit verdoppeltem Eifer zwischen seine weißen Zähne, als fürchte er, zu kurz zu kommen, wenn noch ein Dritter einen Anteil an dem Büffelhöcker beanspruchen sollte. Dem Trapper schien jedoch das Erscheinen des Unbekannten ganz willkommen zu sein.

„Nur näher, Freund,“ rief er demselben entgegen, „nur näher! Wenn der Hunger Euch führte, dann seid Ihr an den rechten Ort gelangt. Fürchtet Euch nicht, wir sind Christenmenschen und genießen mit Dank, was Gott uns bescherte.“