„Er muß mit einem ganzen Haufen von Sioux zu tun gehabt haben,“ meinte Abiram, „denn einer, oder zwei und auch drei hätten ihn nicht bezwungen.“

„So wird's sein,“ nickte der Vater düster; „er war von guter Art und hat niemals einem lebenden Wesen, weder Mann noch Raubtier, den Rücken gewiesen.“

„Seht!“ rief Enoch, aus den Kleiderfalten des Leichnams ein Stück Blei nehmend. „Hier ist die Kugel!“

Ismael ergriff dieselbe und betrachtete sie lange und aufmerksam.

„Es kann nicht anders sein,“ sagte er endlich knirschend. „Diese Kugel stammt aus der Tasche des Trappers. Hier ist sein Merkzeichen: sechs kleine Löcher, in Form eines Kreuzes gestellt.“

„Meinen Eid darauf!“ rief Abiram triumphierend. „Kein anderer als der alte, schleichende Mensch ist Asas Mörder! Er hat mir das Merkzeichen selber gewiesen! Glaubst du nun, Ismael, was ich stets behauptet habe, daß der Trapper ein Spion der Rothäute ist?“

Die Kugel ging von Hand zu Hand, und keiner zweifelte länger an der Schuld des alten Jägers.

Endlich machte man sich daran, des Toten Grab zu graben. Stumm und tränenlos schaute die Mutter zu; kein Seufzer, kein Schrei entrang sich ihrem zerrissenen Herzen, als man die Grube zuwarf und die Erde festtrat, um zu verhindern, daß Raubtiere den Leichnam wieder ausscharrten.

„Esther,“ sagte der Squatter, als alles getan war, „tröste dich. Wir haben den Knaben erzogen, wir haben einen Mann aus ihm gemacht, wie es wenige an den Grenzen gibt, und nun haben wir ihn begraben. Als Eltern konnten wir nicht mehr tun. Laß uns nun gehen.“

Die Frau erhob sich und ließ sich willenlos fortführen. Die Schar machte sich auf den Heimweg. Nach langem Marsche kam endlich der Felskegel in Sicht. Man gab einen Schuß ab, um die Aufmerksamkeit der Mädchen zu erregen. Allein nichts regte sich auf der Höhe. Ein scharfer Windstoß fuhr über die Prärie. Man sah das weiße Zelttuch lose flattern — die Befestigungen desselben mußten sich gelöst haben — man sah es sich blähend erheben und dann, vom Winde erfaßt, den jenseitigen Abhang hinabfliegen.