„Fremder,“ begann der Führer der Emigranten, „seid Ihr hier in dieser Gegend bekannt, so daß wir von Euch erfahren können, wo ein Platz zur Nachtrast zu finden ist? Gebt uns immerhin Euern Rat,“ fuhr er fort, als der Greis die Schar forschend und schweigend musterte, „das kostet Euch nichts und ist nur eine Gabe in Worten.“
„Keine Gabe, sondern eine Schuld der Alten gegen die Jüngeren,“ entgegnete der Angeredete, die klaren, hellblauen Augen forschend auf den Auswanderer heftend. „Folgt mir, Wasser und Weide für Euer Vieh kann ich Euch zeigen.“
Damit warf er die Büchse über die Schulter und schritt ohne weiteres in die jenseits der Bodenerhebung liegende Senkung hinab. Auf einen Wink des Führers folgte ihm die Karawane.
Nach kurzem Marsche gelangte man zu einer Quelle, die, am Fuße eines Abhanges sprudelnd, ihr Wasser bald mit dem anderer in der Nähe hervorsickernder Quellen vereinte, so daß ein Flüßchen entstand, dessen Lauf durch die an seinen Ufern wachsenden Sträucher und Bäume weithin zu verfolgen war. Es währte nicht lange, da erreichte man einen Ort, den der Emigrantenführer für zweckentsprechend erklärte. Er warf seine Bürde zur Erde und machte sich unter dem Beistande des Mannes, der vorhin so schnell mit der Büchse bei der Hand gewesen, daran, die Zugtiere auszuspannen, während seine Söhne die Baumwollenbäume niederzuschlagen begannen, bis die Stätte aussah, als sei ein Wirbelwind darüber hingegangen.
Auf seine Büchse gelehnt, schaute der Fremde still diesen Verwüstungen zu, ab und zu trübsinnig den Kopf schüttelnd. Er beobachtete, wie die Kinder ein Feuer anzündeten, und richtete dann seine Aufmerksamkeit auf den Führer der Karawane, der, nachdem das Vieh zu grasen begonnen, sich in eigentümlicher Weise mit einem der Planwagen zu schaffen machte. Mit Hilfe einiger der jungen Männer trieb derselbe rings um den Wagen Pfähle in den Boden und erweiterte dann den Leinwandplan bis zu diesen, so daß auf diese Weise ein umfangreiches, dicht verschlossenes Zelt entstand, unter welchem man schließlich den Wagen hervorzog, der nun nichts mehr enthielt als einiges Hausgerät; was er sonst noch beherbergt hatte, war unter dem geheimnisvollen Zelte geblieben, welchem, wie bald ersichtlich wurde, außer dem Führer niemand sich nahen durfte.
Mit der unbefangenen Neugierde des Alters trat der Fremde herzu, in der augenscheinlichen Absicht, zu erspähen, was das Zelt in sich barg. Sogleich aber packte der Führer ihn rauh am Arm und hielt ihn fest.
„Kümmert Euch nicht um Dinge, die Euch nichts angehen, Freund,“ sagte er grob.
Bescheiden und verlegen ging der alte Mann zurück. „Ich meinte es nicht böse,“ antwortete er begütigend; „ich wußte nicht, daß Ihr etwas zu verbergen habt.“
Während er seine Schritte nun langsam der Wagenburg zulenkte, denn zu einer solchen hatte sich das Lager der Emigranten inzwischen gestaltet, hörte er den Führer gebieterisch das junge Mädchen herbeirufen, das, wie er nun vernahm, den Namen Ellen Wade führte. Schnell und leicht wie ein Reh huschte die Jungfrau an ihm vorüber und verschwand hinter den Falten des Zeltvorhanges.