„Wenn der Schnee fällt und die Hütten der Langmesser bedeckt, kann mein Bruder dann die Flocken sehen?“

„Meine Augen sind nicht mehr die besten, aber es gab eine Zeit, wo die Schärfe und die Schnelligkeit meines Blickes mir einen Namen verschaffte.“

„Die roten Männer finden die Langmesser ebenso schnell, wie die Bleichgesichter den trabenden Büffel gewahren, oder die Flocken des fallenden Schnees. Geh'! Ein Pawnee ist nicht blind, er braucht euer Volk nicht lange zu suchen!“

Der junge Krieger schwieg und wendete, plötzlich aufhorchend, sein Antlitz der offenen Prärie zu. Noch einmal blickte er sich um und musterte, wie mit einem inneren Entschlusse kämpfend, zweifelnd die Gesichter Nathaniel Bumppos und seiner Gefährten, dann jagte er in gestrecktem Galopp davon und war bald hinter der nächsten Bodenerhebung verschwunden.

Die Hunde, die seit einigen Minuten eine deutliche Unruhe gezeigt hatten, folgten ihm eine Strecke, dann aber kehrten sie um und setzten sich nieder, aufs neue ihr Geheul anstimmend.

In der Ferne aber erhob sich ein donnerndes Getrappel wie von unzähligen Hufen. Eine Staubwolke wälzte sich daher, und bald sahen unsere Abenteurer eine Herde Büffel heranstürmen, die der erfahrene Trapper auf zehntausend Tiere schätzte. Auf des Alten Rat zog man sich in das Sumpfgehölz zurück, da die Büffel gerade auf den Lagerplatz zukamen und jeden niedergetreten haben würden, der ihnen nicht aus dem Wege ging.

Gewaltig und unwiderstehlich, wie eine Flutwelle des Meeres, brauste die ungeheure Masse der Büffel vorüber; den Beschluß des Zuges machte eine Menge einzeln dahertrabender Tiere, ganz so, wie auch eine große Armee ihre Nachzügler und Invaliden im Gefolge hat.

„Das sind die letzten,“ sagte der Trapper, aus dem Gehölz heraustretend, „und seht, da zeigt sich auch schon ein Rudel hungriger Wölfe, um über diejenigen Tiere herzufallen, die krank sind oder beim Rennen und Springen Verletzungen erlitten haben. Ha! Da sehe ich auch Reiter, so wahr ich ein Sünder bin! Schaut, dort halten sie bei einem gestürzten Büffel, um ihm mit ihren Pfeilen den Garaus zu machen. Unser Pawnee wußte, daß seine Genossen auf der Jagd waren; er wird sich ihnen angeschlossen haben ... Oho! Das sind aber keine Pawnees! ... Sie tragen Eulenflügel am Kopfe ... Feinde sind's, eine Bande der spitzbübischen Sioux! Fort, ins Versteck, Leute! Wenn die Schufte uns sehen, dann ziehen sie uns aus bis auf die Haut, und wenn's ihnen einfällt, nehmen sie uns zum Zeitvertreib auch das Leben. Zurück ins Dickicht!“

Die Gesellschaft folgte dieser Warnung ohne Zögern, wobei jedes Geräusch sorgfältig vermieden wurde. Nur der Esel, den der Naturaliensammler hinter sich herzog, schritt einher, als gäbe es gar keine Sioux in der Welt.

„Wir müssen Eurem Reittier den Hals abschneiden, Freund,“ sagte der Trapper, „es könnte uns sonst verraten.“