„Was?“ versetzte der kleine Mann erschrocken, „meinen Asinus wollt Ihr schlachten? Das wäre fürwahr eine unchristliche Grausamkeit!“
„Wollt Ihr lieber, daß sechs Christenmenschen einem Esel zum Opfer fallen?“ entgegnete der Trapper. „Denkt doch, wenn das Tier zu schreien anfinge, dann wär's gerade, als riefen wir mit Trompetenschall die Sioux herbei.“
„So ist's,“ nickte der Bienenjäger. „Der Esel muß sterben.“
„Verehrungswürdigster Jäger und liebe Freunde,“ sagte der Doktor, kummervoll von einem zum anderen blickend, „ich bürge für die Verschwiegenheiten meines Asinus! Schlachtet ihn nicht! Kein zweites Geschöpf hat so viel gute Eigenschaften wie er. Er ist so treu und gelehrig, so unermüdlich, so willig und so geduldig! Wir haben so mancherlei miteinander erlebt und durchgemacht, daß sein Tod mich bitter schmerzen würde! Habt Erbarmen mit ihm, hochgeschätzter Jäger; denkt, wie es Euch ums Herz sein würde, wenn man Euch auf solche Weise von Eurem guten Hektor trennen wollte!“
Dieses Wort gab den Ausschlag. Der Trapper räusperte sich, als sei ihm plötzlich etwas in die Kehle gekommen, dann sagte er: „Das Tier soll nicht sterben, doch müssen wir es stumm machen. Bindet ihm das Maul mit dem Halfter zu, für das übrige wird die göttliche Vorsehung sorgen.“
Paul vollzog des Trappers Gebot, und dieser begab sich zum Rande des Gehölzes, um die Indianer zu beobachten, die inzwischen näher herangekommen waren. Er vermochte einige derselben, darunter Weucha, wiederzuerkennen. Der letztere war mit einem Gefährten bis zu der Stelle gelangt, wo der unglückliche Asa seinen Tod gefunden hatte. Den scharfen, geübten Augen der Wilden blieben die Spuren des grausigen Ereignisses nicht verborgen. Sie untersuchten dieselben, ohne von den Pferden zu steigen, und endlich stießen sie fast zu gleicher Zeit einen Ruf aus, der dem Klagegeheul der Hunde nicht unähnlich war, und der die übrige Schar im Nu um sie versammelte.
Angesichts der jetzt so nahe drohenden Gefahr hielten die im Gehölz Verborgenen jetzt leise einen Kriegsrat; Paul war für Kampf auf Leben und Tod, der vorsichtigere Middleton aber, wie auch der Doktor und der Trapper stimmten für friedliche Maßregeln.
„Was man mit Gewalt nicht erreichen kann,“ meinte der letztere, „muß man durch seinen Witz zu erlangen suchen. Die Vernunft macht den Menschen stärker als den Büffel, und schneller als den Elchhirsch. Bleibt also hier und haltet euch verborgen. Mein Leben und meine Habseligkeiten gelten weniger als so viele jüngere Menschenleben; überdies weiß ich mich mit der indianischen Verschlagenheit abzufinden. Deshalb will ich allein hinaustreten. Vielleicht kann ich die Aufmerksamkeit der Sioux von diesem Fleck ablenken und euch Gelegenheit zur Flucht schaffen.“
Ohne eine Antwort abzuwarten warf der Greis seine Büchse über die Schulter und machte sich gemächlichen Schrittes auf den Weg, das Gehölz an einer Stelle verlassend, die den Blicken der Sioux verborgen war, so daß dieselben nicht wissen konnten, ob er überhaupt aus dem Dickicht gekommen war oder nicht.
Die Indianer gewahrten ihn bald. Furchtlos und äußerlich ruhig und gleichgültig kam er auf sie zu; als er ihnen nahe genug war, um sich verständlich machen zu können, blieb er stehen, setzte den Kolben seiner Büchse auf die Erde und erhob die mit der Fläche nach außen gekehrte Hand als Zeichen des Friedens. Hektor stand neben ihm, die Indianer mißtrauisch und mit leisem Geknurr beobachtend.