„Gut. Mein Vater ist ein guter Schütze. Möge er auf jenes Gehölz zielen und Feuer geben.“
Einen Augenblick nur zögerte der alte Mann, dann erhob er die lange Büchse, um den Verdacht des schlauen Häuptlings zu zerstreuen. Sein Blick suchte sich einen Stamm in dem Dickicht aus. Auf diesen richtete er den Lauf und feuerte, dann setzte er mit bebenden Händen das Gewehr ab. Sein angstvoll lauschendes Ohr fürchtete in jedem Moment das Geschrei von Weiberstimmen zu vernehmen. Als jedoch alles ruhig blieb, da atmete er auf, und, den Kolben auf die Erde stoßend, wendete er sich zu Mahtoree.
„Ist mein Bruder zufriedengestellt?“ fragte er.
„Mahtoree ist ein Häuptling der Dakotas,“ antwortete der verschlagene Indianer, die Hand auf die Brust legend. „Er weiß, daß ein Krieger, der an den Beratungsfeuern geraucht hat, bis sein Haar weiß geworden ist, nicht ein Gefährte der Landstreicher sein kann. Mein Vater ist sehr alt; was er tut ist gut, was er redet ist weise. Jetzt sage er mir nur noch, ob er ganz sicher ist, daß die Langmesser, die in der Prärie herumlaufen und ihr Vieh suchen, ihm ganz fremd sind?“
„Dakota, ich lebe ganz allein; ich habe mit Bleichgesichtern nichts zu schaffen, es sei denn —“
Er unterbrach sich, denn am Rande des Dickichts ward es lebendig, und hervor traten Middleton mit Inez, dahinter Paul Hover mit Ellen, und den Beschluß machten der Doktor Battius und sein Esel. Alle sechs kamen eilig auf die Indianer zu.
Aber noch ein anderer Anblick ward ihm. Um eine entfernte Ecke des Gehölzes herum kam ein Zug bewaffneter Männer, der Squatter Ismael Busch und seine reisigen Söhne. Dieselben nahten sich augenscheinlich in der Absicht, den Raub ihres Viehes blutig zu rächen.
Mahtorees dunkles, flammendes Auge rollte von der einen Gruppe der Heranziehenden zur anderen. Er war mit den Seinen im ersten Moment eine Strecke zurückgewichen, den alten Jäger zwingend, ihnen zu folgen. Dieser hatte inzwischen schnell erkannt, daß Middleton und seine Gefährten ihre Deckung nur verlassen hatten, um den verzweifelten Versuch zu machen, bei den Sioux Schutz gegen die Emigranten zu finden. Sogleich schickte er sich an, einen günstigen Empfang der Flüchtigen vorzubereiten.
„Mein Bruder sieht, daß meine Zunge nicht gespalten ist,“ sagte er, schnell gefaßt. „Die Langmesser senden ihre Weiber nicht auf den Kriegspfad. Ich weiß, daß die Dakotas mit jenen Fremdlingen, die vor den Büchsen der Emigranten Schutz bei dem großen Mahtoree suchen, am Lagerfeuer rauchen werden.“
„Die Langmesser sind willkommen,“ versetzte der Häuptling würdevoll und geschmeichelt. „Die Pfeile meiner jungen Männer bleiben in den Köchern.“