Der Trapper übersetzte die Reden des Tetons Wort für Wort. Ismael lauschte mit steigendem Grimm, desgleichen sein Weib. Der Vorschlag, Esther wegzujagen, lockte dem Squatter aber doch ein kurzes Lachen ab. Dadurch aber stieg der Zorn dieser wackeren Dame auf die höchste Spitze. Sie machte ihren beleidigten Gefühlen durch einen Strom von Scheltworten und Schimpfreden Luft, der hier unmöglich wiedergegeben werden kann. Zuletzt rief sie ihre Söhne und befahl ihnen, ungesäumt die Zugtiere vor die Wagen zu spannen. Gehorsam legten auch Ismael und Abiram Hand an, und bald darauf sah man die Karawane der Emigranten das Dorf ihrer bisherigen Verbündeten verlassen.

Die Sioux zeigten weder Erstaunen noch Bedauern über die unerwartete Trennung. Mahtoree warf den Abziehenden einen Blick nach, der an den des Tigers erinnerte, wenn dieser König der Wälder ein Wild beobachtet und nicht recht weiß, ob er zuspringen soll oder nicht. Langsam knarrten die Fuhrwerke am Flusse entlang, bis, etwa eine Meile weiter abwärts, halt gemacht und ein neues Lager hergerichtet wurde.

Inzwischen hatte Mahtoree seine Krieger zu einer letzten, entscheidenden Beratung über das Schicksal seiner Gefangenen versammelt. Es war eine echt indianische Steigerung der beabsichtigten Grausamkeiten, daß diese Beratung in nächster Nähe des an den Marterpfahl gefesselten Pawnees abgehalten wurde, zu dessen Füßen man jetzt auch die beiden Weißen niedergelegt hatte.

Ein alter Krieger zündete die große Pfeife seines Stammes an und blies den Rauch feierlich nach den vier Himmelsrichtungen. Dann reichte er die Pfeife Mahtoree; dieser tat einige Züge und gab sie dem nächsten. Nachdem alle in würdevollem Schweigen diesem uralten Brauch Genüge getan, begann der Austausch der Meinungen. Ein hochbetagter Indianer erhob sich.

„Noch lag der Adler an den oberen Fällen des großen Flusses in seinem Ei, da hatte meine Hand schon einen Pawnee erschlagen,“ begann er. „Was meine Zunge spricht, das haben meine Augen gesehen. Bohreechena ist sehr alt. Was er redet, das hören die Tetons. Fällt eins seiner Worte zur Erde, so heben sie es auf und halten es an ihr Ohr. Wird eins vom Winde verweht, so holen meine jungen Männer, die sehr schnell sind, es wieder. Höret mir zu. Seit das Wasser fließt und die Bäume wachsen, findet der Sioux den Pawnee auf seinem Kriegspfad. Wie der Kuguar die Antilope, so liebt der Dakota seinen Feind. Wenn der Wolf das Reh findet, legt er sich dann nieder zu schlafen? Schließt der Panther seine Augen, wenn er das Hirschkalb am Quell sieht? Ihr wißt es sehr wohl, er tut es nicht. Auch er trinkt dann, aber er trinkt Blut! Ein Sioux ist ein springender Panther, ein Pawnee aber ein zitterndes Wild. Mögen meine Kinder mich hören. Sie werden finden, daß meine Worte gut sind. Ich habe gesprochen.“

Ein dumpfes Beifallsgemurmel folgte den Ausführungen dieses Redners, der ganz die Ansichten Mahtorees vertreten hatte. Nach längerer, von der Sitte gebotener Pause erhob sich ein zweiter Krieger, ein Mann in mittleren Jahren. Er begann mit der Erzählung seiner Taten; er zeigte der Versammlung seine Narben.

„Was bin ich?“ fuhr er fort. „Ein Dakota! Ihr kennt mich, darum hört auch mich. Das Blut jeder Kreatur auf der Prärie ist rot. Wer kann sagen, hier hat ein Pawnee geblutet, und hier ein Bison? Die Farbe ist die gleiche. So wollte es der Große Geist. Wächst aber das Gras grün an der Stelle, wo ein Bleichgesicht getötet wurde? So zahlreich ist die Nation der Weißen nicht, daß sie nicht merken sollte, wenn einer ihrer Krieger fehlt. Sie ruft dieselben oft mit Namen und fragt: Wo sind meine Söhne? Vermissen sie einen davon, dann senden sie andere hinaus in die Prärie, ihn zu suchen. Und finden sie ihn nicht, dann kommen ihre Läufer zu den Sioux und forschen nach ihm. Meine Brüder, die Langmesser, sind keine Narren. Ein mächtiger Medizinmann ihrer Nation ist unter uns. Wer kann wissen, wie laut seine Stimme ist, oder wie lang sein Arm?“

Hier erhob sich Mahtoree in sichtbarer Ungeduld.

„Man bringe den bösen Geist der Bleichgesichter herbei!“ befahl er mit unverhohlenem Spott und Hohn. „Mein Bruder soll den Medizinmann genau betrachten.“

Nach einer erwartungsvollen Pause teilte sich die Menge, und der Doktor Battius wurde, auf seinem Esel sitzend, von Weucha feierlich in den Kreis geleitet.