Alles hatte schweigend diesen Worten gelauscht, mancher Krieger aber blickte verstohlen nach Mahtoree, zu erspähen, wie der des Patriarchen Entschluß aufnehmen würde, der allerdings völlig den indianischen Gebräuchen entsprach. Des Häuptlings Auge funkelte in verhaltenem Zorn; drohte ihm doch der Verlust desjenigen Opfers, nach dessen Tode er am meisten dürstete.

Le Balafré war inzwischen langsam auf den Marterpfahl zugeschritten. Lange musterte er die Gestalt und das Antlitz des jungen Pawnee mit Wohlgefallen; dann winkte er gebieterisch, und einige herzuspringende Krieger befreiten gehorsam den Gefangenen von seinen Banden. Noch einmal betrachtete der Greis mit altersschwachem Auge das prächtige Ebenmaß der geschmeidigen, muskelstarken Glieder; endlich sagte er:

„Es ist gut. Redet mein Sohn, der springende Panther, die Sprache der Tetons?“

Der Blick des Pawnee verriet, daß er die Frage wohl verstanden, allein er war zu stolz, sich der Zunge der Feinde zu bedienen. Die Umstehenden belehrten den Alten, daß der Gefangene ein Pawnee-Loup sei.

„Mein Sohn öffnete die Augen an den Wassern der Wölfe,“ nahm Le Balafré in der Pawneesprache das Wort, „er wird sie schließen am Flusse der wirbelnden Wasser. Er ist als Pawnee geboren, als Dakota wird er sterben. Ich bin eine entlaubte Sykomore und sehnte mich lange nach einem frischen Schößling; jetzt habe ich ihn gefunden. Le Balafré hat nun einen Sohn. Sein Name wird nicht vergessen sein, wenn er hinwegging; Männer der Tetons, ich nehme diesen Jüngling in meinen Wigwam.“

Er führte den Pawnee in die Mitte des Kreises, um alle Anwesenden mit seiner Wahl bekanntzumachen. Niemand wagte eine Entgegnung, auch Mahtoree schwieg. Da aber erhob Hartherz seine klare, feste Stimme.

„Mein Vater ist sehr alt,“ hub er an, „aber alles hat er doch nicht gesehen. Er hat aus einem Büffel noch keine Fledermaus werden sehen. Er wird auch nie sehen, daß aus einem Pawnee ein Sioux wird!“

Ein Ruf der Bewunderung durchflog die Reihen der Sioux bei dieser Rede, die des berühmten Kriegers mit dem „harten Herzen“ so würdig war. Le Balafré aber ließ sich nicht so leicht von seinem Vorsatze abbringen.

„Es ist gut,“ versetzte er. „So spricht ein Tapferer, auf daß die Krieger sein Herz erkennen. Es gab eine Zeit, wo Le Balafrés Stimme am lautesten bei den Hütten der Konzas gehört wurde. Mein Kind wird die Feinde der Tetons schlagen und dadurch seinen Mut beweisen. Männer der Dakotas, dieser ist mein Sohn!“

Der Pawnee zögerte einen Augenblick, dann trat er vor den Veteranen hin, faßte dessen dürre Hand und legte sich dieselbe voll Ehrfurcht auf das Haupt. Darauf aber wendete er sich gegen die feindliche Menge, die ihn umringte; blitzenden Auges, voll Stolz und Hoheit und zugleich voll schneidendster Verachtung begann er in der Sprache der Sioux: