„Was denken die weisen Häuptlinge der Sioux zu beschließen?“ fragte er dann.
„Sie meinen, daß man die Bleichgesichter verfolgen müsse, wie das Wild. Die Langmesser, die auf die Prärie kommen, dürfen nicht mehr zurück. Dort drüben sind ihrer viele. Sie haben Pferde und Büchsen. Sie sind reich, wir sind arm. Laß die Pawnees mit den Tetons am Beratungsfeuer sitzen, und wenn die Sonne hinter den Felsengebirgen verschwunden ist, dann werden wir sagen: dies für einen Loup, das für einen Teton.“
„Teton — nein! Hartherz hat nie die Waffe gegen die Fremden erhoben. Sie kommen in seinen Wigwam und essen und gehen ungefährdet von dannen. Der mächtige Pawneehäuptling ist ihr Freund. Nein, Teton, er wird seinen Arm niemals gegen die Fremden erheben.“
„So stirb denn mit leeren Händen, du Narr!“ rief Mahtoree, blitzschnell einen Pfeil auf seinen Bogen legend und gegen die unbeschützte Brust seines arglosen Gegners abdrückend.
Es wäre um Hartherz geschehen gewesen, wenn dieser nicht mit bewunderungswürdiger Geistesgegenwart die Gefahr noch rechtzeitig erkannt und sein Roß emporgerissen hätte, so daß es sich hoch aufbäumte und ihm zum Schilde diente. Der Pfeil des Sioux durchbohrte des Tieres Hals, ohne es jedoch zu Falle zu bringen.
Mit Gedankenschnelle hatte der Pawnee den Schuß erwidert; sein Pfeil haftete in des Tetons Schild. Während einiger Momente klangen die Bogensehnen, flogen die Geschosse unaufhörlich herüber und hinüber. Bald waren die Köcher geleert; es hatte auch Verwundungen gegeben, jedoch nicht genügend, die Kämpfer zu schwächen oder abzukühlen.
Jetzt begann eine Reihe meisterhafter Reitermanöver. Schnell und geschickt wie Schwalbenflug war das Ansprengen, das Ausweichen, das gegenseitige Umkreisen. Lanzenstöße wurden ausgetauscht, der Sand flog unter dem Hufgestampf in Wolken auf, aber noch immer behielten beide Fechter ihren Sitz.
Endlich aber mußte der Teton, um einem furchtbaren Stoße des Gegners zu entgehen, sich vom Pferde werfen. Hartherz stieß dem Tiere die Lanze in den Leib, im Vorbeijagen einen Triumphruf hören lassend. Jedoch auch sein Roß hatte seine letzten Schritte getan; vom Blutverlust völlig entkräftet, taumelte es in den Sand, seinen Herrn mit sich niederreißend. Jetzt stürzte Mahtoree rachedurstig herzu, Messer und Tomahawk in den Händen. Hartherz' Lage war verzweifelt, da es ihm trotz seiner außerordentlichen Behendigkeit nicht gelang, sich rechtzeitig unter dem Pferde hervorzuarbeiten. Aber auch jetzt noch wußte er sich zu helfen. Er erwischte sein Messer, faßte die Klinge mit Daumen und Zeigefinger und warf es so ruhig und sicher, als gälte es nur, seine Geschicklichkeit zu zeigen, gegen den Feind. Die Waffe überschlug sich einigemal wirbelnd in der Luft und fuhr dann bis an das Hirschhornheft dem Dakota in die nackte Brust.
Mahtoree blieb stehen und faßte nach dem Heft, unschlüssig, ob er die Klinge aus der Wunde reißen sollte oder nicht. Es mochte ihm jedoch einfallen, daß er keine Zeit mehr zu verlieren habe, und wankenden Schrittes eilte er zum Rande des Wassers.
„Knabe der Loups!“ rief er, neben dem Ausdruck des alten, wilden Hasses ein Lächeln der Befriedigung auf den dunkeln Zügen. „Der Skalp des mächtigen Dakota soll nimmer im Rauche eines Pawneewigwams trocknen!“