Er riß das Messer aus seiner Brust und schleuderte es verachtungsvoll dem Feinde zu. Dann schwenkte er den Arm mit höhnischer Gebärde und stürzte sich kopfüber in den Strom, der ihn verschlang und fortriß.

Hartherz hatte sich inzwischen frei gemacht. Er nahm sein Messer auf, eilte den Strand entlang, und als er auf der Oberfläche der vorüberwirbelnden Flut einen dunkeln Blutfleck erspähte, da sprang er hinein, fest entschlossen, seine Trophäe zu erobern oder im Wasser unterzugehen.

Als Hartherz mit seinem Pferde gestürzt war, da hatte es seine Getreuen am jenseitigen Ufer nicht mehr gehalten. In hellen Haufen waren sie in den Fluß geritten, der Insel zu. Bei diesem Anblick blieben auch die Sioux nicht zurück, und nun trafen die beiden feindlichen Scharen auf der Insel zusammen. Ein furchtbarer Kampf begann, der lange hin und her wogte, bis die Sioux endlich von den Pawnees durch den Fluß zurückgetrieben wurden. Hier eilten jedoch die unberittenen Sioux ihren Genossen zu Hilfe, so daß die Pawnees in harte Bedrängnis gerieten. Schon begannen sie dem Wasser zu zu weichen, da erscholl der wohlbekannte Kriegsruf ihres Häuptlings, und Hartherz erschien auf dem Plan, den Skalp Mahtorees als Siegesbanner schwingend. Mit neuem Mute drangen die Pawnees nun gegen die Übermacht vor, und wütender als je entbrannte der Kampf. Trotz der großen Tapferkeit der Loups aber wäre das Gefecht für sie vielleicht verhängnisvoll geworden, wenn nicht plötzlich eine Gewehrsalve in den dicksten Haufen der Feinde hineingeschmettert und dort Verwirrung und Schrecken verbreitet hätte. Im nächsten Augenblick brach Ismael Busch mit seinen gigantischen Söhnen aus einem nahen Dickicht hervor, und als der ersten Salve noch ein zweite folgte, da war das Geschick des Tages entschieden. In wilder Flucht jagten die Sioux davon, verfolgt von den racheglühenden Loups. Erst der Anbruch der Nacht machte der erbarmungslosen Jagd und der grausen Tätigkeit der Lanze und des Messers ein Ende.

Neuntes Kapitel Das Gericht


Die Sonne des nächsten Morgens beschien im Lager der Emigranten eine eigentümliche Szene. Ismael Busch hatte seine Gefangenen auf den freien Platz in der Mitte der Wagenburg führen lassen und schritt nun vor denselben finster und nachdenklich auf und ab. Es war etwas Außergewöhnliches, etwas Unheimliches im Werke, das merkten auch die Kinder, die scheu und erwartungsvoll zwischen den Rädern der Wagen kauerten; selbst die sonst so unermüdlich tätige Esther hatte ihre Wirtschaftsarbeiten liegen lassen, um bei dem, was vorgehen sollte, nicht zu fehlen.

Von den Pawnees war Hartherz allein zugegen; er stand auf seine Lanze gelehnt, und unweit von ihm graste sein Pferd, dessen erhitzter Zustand Zeugnis ablegte von dem langen und anstrengenden Ritt, den sein Herr unternommen, um bei dem sich hier entwickelnden Ereignisse gegenwärtig sein zu können.

Ismael war endlich mit sich einig geworden. Er blieb stehen und sah die Gefangenen — den Trapper, den Hauptmann Middleton, den Bienenjäger und Obed Bat — der Reihe nach an. Dann räusperte er sich und begann mit dröhnender Stimme:

„Was ich jetzt verrichten muß, ist in den Ansiedlungen Sache der Richter, die verordnet sind, zu entscheiden zwischen Mann und Mann. Von den Gebräuchen der Gerichtshöfe kenne ich wenig, aber ich weiß einen Spruch, der da heißt: Auge um Auge, Zahn um Zahn, Blut um Blut, Tod um Tod. Das ist ein guter Spruch, nach ihm werde ich heute richten und jedem zuerteilen, was ihm gebührt.“

Wieder schweifte sein Auge über die vor ihm Stehenden; als es dem Blick des Hauptmanns begegnete, nahm dieser das Wort: