„Wenn der Übeltäter bestraft, und der, welcher nichts verbrach, freigelassen werden soll, dann dürftet Ihr nicht Richter sein, sondern müßtet an meiner Statt hier stehen.“

„Ihr wollt damit sagen, daß ich Euch Unrecht tat, weil ich jene Lady aus ihres Vaters Hause in diese Wildnis entführen half,“ versetzte der Squatter. „Ich will die Tat nicht leugnen und das Unrecht durch eine Lüge nicht noch größer machen. Ich habe über die Sache nachgedacht und beschlossen, die Lady sicher und unangefochten ihrem Vater wiederzugeben. Auch Ihr, Hauptmann, seid frei, obgleich Ihr gewaltsam in mein Lager gedrungen seid; das sei Euch verziehen, weil Ihr Euer Weib zu befreien suchtet und dazu jeder Mann verpflichtet ist. Nimm dem Offizier die Fesseln ab, Sohn Abner. Wenn Ihr so lange bei uns bleiben wollt, Hauptmann, bis wir wieder in die Nähe der Ansiedlungen kommen, so soll mir das lieb und recht sein und Euch auch ein Wagen gegeben werden; wenn nicht, so geht nicht hin und sagt, man sei Euch hier nicht freundlich entgegengekommen.“

Middleton dankte dem Squatter mit warmen Worten und umarmte seine Gattin, die sich mit Tränen an seine Brust geworfen hatte. Ismael aber wendete sich jetzt dem Naturforscher zu.

„Jetzt soll die Rechnung zwischen uns beglichen werden, Doktor,“ sagte er. „Ich habe mit Euch einen ehrlichen Vertrag abgeschlossen; wie habt Ihr den gehalten?“

Dem kleinen Manne, der sich die Kriegsmalerei abgewaschen und den Filzhut auf den geschorenen Kopf gesetzt hatte, wurde bei dieser Frage nicht ganz wohl zumute. Er stammelte etwas von Verjährung und abgelaufener Kontraktsfrist, kam aber nicht weit, da Frau Esther ihm ins Wort fiel.

„Ismael,“ rief sie ihrem Manne zu, „laß den Giftmischer laufen und sei froh, daß du ihn los bist. Der unheimliche Kerl kann uns etwas antun, ohne daß wir uns dagegen wehren können. Laß ihn laufen, Mann, laß ihn laufen!“

Ismael nickte und trat vor den Bienenjäger hin.

„Mit Euch, junger Mann, ist die Abrechnung nicht so leicht,“ redete er diesen an. „Ihr habt Euch ehemals oft genug heimlich auf meine Farm und später auch in mein Lager geschlichen, um uns ein Mädchen abwendig zu machen, die eine Verwandte meiner Frau ist und die einmal meine Schwiegertochter werden sollte.“

„Ich will Euch was sagen, Freund Ismael Busch,“ entgegnete Paul ganz munter, „verschiedene Leute haben über das Heiraten auch verschiedene Ansichten. Ellen zum Beispiel denkt über ihren zukünftigen Mann sicher ganz anders als Ihr —“

„Ellen,“ unterbrach ihn der Squatter, zu seiner Nichte gewendet, „ein ganzes Jahr lang hast du mit uns im Lager gewohnt wie eine meiner Töchter; ich hatte gehofft, daß du für immer bei uns bleiben würdest.“