„Mein Sohn denkt ehrenvoll von mir, ich danke ihm,“ antwortete der alte Jäger in der Sprache des Indianers. „Hätte ich die schändliche Tat begangen, deren man mich beschuldigt, so wäre ich Mannes genug gewesen, selber mein Haupt der Strafe darzubieten, wie auch alle guten und ehrenhaften roten Krieger tun.“ Dann fuhr er gegen die übrigen Anwesenden in englischer Sprache fort: „Ich habe nur wenig zu berichten. Wir lagen im Hinterhalt und belauerten Euch, Freund Squatter, weil wir in Erfahrung gebracht hatten, daß Ihr dieses jungen Offiziers Ehefrau als Gefangene mit Euch führtet. Ich, als der im Kundschaften Geübteste, lag am weitesten draußen in der Prärie und beobachtete alle Bewegungen Eurer Schar bei der Jagd. Und keiner von euch allen hatte eine Ahnung davon. Haha, Squatter, als ich noch jung war, da habe ich den schlafenden Feinden in die Zelte geguckt, ja, und —“

„Schweift nicht ab, alter Freund,“ unterbrach der Hauptmann ihn ungeduldig.

„Gut, gut. Ich lag im hohen Grase; da begegneten sich zwei der Jäger abseits von den übrigen. Sie zeigten einander wenig Freundlichkeit, ich meinte aber, sie würden in Frieden auseinandergehen; da schoß der ältere den jungen ganz unerwartet meuchlings in den Rücken. Eine grausam schändliche, verräterische Tat! Und der arme Junge, was für ein ganzer Mann war das! Obgleich das Pulver seinen Rock versengte, so hielt er doch dem Stoß stand, und es dauerte wohl eine Minute, ehe er niedersank, aber nur auf die Knie. Und mit welcher gewaltigen Anstrengung er sich in das Dickicht schleppte, wie ein verwundeter Bär — es war ein Anblick zum Erbarmen!“

„Aber warum, im Namen der himmlischen Gerechtigkeit, habt Ihr uns kein Wort davon gesagt?“ rief Middleton in höchstem Erstaunen.

„Meint Ihr, Hauptmann, ein Mann, der über sechzig Jahre in der Wildnis lebte, habe den Wert der Verschwiegenheit nicht kennengelernt? Welcher rote Krieger läuft und erzählt, was er gesehen, ehe die rechte Zeit gekommen ist? Ich führte den Doktor an die Stätte, ob er vielleicht noch helfen könne, und auch der Bienenjäger wußte, daß der Leichnam in jenem Dickicht lag.“

„Und wer war der Mörder?“ forschte Middleton gebieterisch.

„Der steht dort. Eine Schmach und Schande für unsere Farbe ist es, daß er ein Fleisch und Blut ist mit der Familie des Toten.“

„Er lügt!“ schrie Abiram, denn auf ihn hatte der Trapper gewiesen. „Er lügt! Ermordet habe ich ihn nicht! Ich wehrte mich nur meines Lebens!“

„Es ist genug,“ sagte Ismael mit tiefer, ganz veränderter Stimme. „Laßt den alten Mann frei, ihr Knaben; bringt den Bruder eurer Mutter an seine Stelle.“

„Rührt mich nicht an!“ kreischte Abiram. „Gottes Fluch soll jeden treffen, der mir nahekommt!“