Abner, jetzt der älteste der Söhne, ließ sich dadurch nicht abhalten; als er jedoch die starken Hände nach dem Verbrecher ausstreckte, da wandte sich dieser zur Flucht, fiel aber nach wenigen Schritten wie tot zur Erde. Ismael befahl durch eine Gebärde, ihn in eins der Zelte zu schaffen.
„Jetzt bleibt nur noch übrig,“ sagte er darauf zu denen, die nicht zu seinem Lager gehörten, „daß jeder seine Straße zieht. Ich wünsche allen das Beste; dir Ellen, sage ich: Gott segne dich!“
Schweigend und ergriffen ging der Hauptmann an seine Vorbereitungen, die bald getan waren. Schweigend verabschiedete man sich von dem Squatter und dessen Angehörigen, die dem von dem Pawneehäuptling geführten Zuge, der sich still über die Prärie entfernte, noch lange nachschauten.
Etwa zwei Stunden später befand sich auch die Karawane der Emigranten wieder auf der Fahrt, diesmal aber in der Richtung von Westen nach Osten.
Der kleine Planwagen, der vor kurzem noch Inez beherbergt hatte, wurde jetzt von Abiram eingenommen, der aus seiner todesähnlichen Ohnmacht wieder erwacht war und nun mit Zähneklappen seinem Geschick entgegensah.
Langsam und träge bewegte sich die Karawane über die dürre Prärie. Finster und schweigend schritt Ismael als Führer voran, finster und schweigend schritten auch seine Söhne neben den Wagen und dem Vieh dahin. Gramvoll und in sich versunken saß Mutter Esther in dem Wagen bei ihren Töchtern. Die Erwartung des Bevorstehenden lag wie eine dumpfe, schwere Wolke über allen.
Der lange Tag verstrich, und der Zeitpunkt kam, wo für Mensch und Tier Rast und Erholung nötig wurden. Ismael wählte als Ruheort eine mit saftigem Grase bestandene Niederung, von einer Quelle bewässert, die am Fuße eines etwa vierzig Fuß hohen Felskegels aus dem Boden sprang. Ein einsamer Weidenbaum von gewaltiger Größe stand unweit des Felsens, dessen Gipfel seine Zweige einst beschattet hatten; jetzt spendete der alte Baum keinen Schatten mehr; nur noch wenige knorrige, phantastisch gestaltete Äste reckten sich hier und da empor, dürr und tot; und morsch, abgestorben und von der Witterung gebleicht war auch der Stamm, ein ödes Denkmal der Vergänglichkeit.
Die Zugtiere wurden ausgespannt, und Esther bereitete das Mahl, von welchem auch Abiram seinen Teil erhielt. Der Elende, dem bisher niemand mit Wort oder Blick zu nahe getreten war, begann wieder Hoffnung zu hegen; er rechnete darauf, daß man, um nicht noch mehr Schande über die Familie zu bringen, die ganze Sache im Sande verlaufen lassen würde.