Nach dem Mahle hatte Ismael abseits vom Lager mit seinem Weibe eine lange und ernste Unterredung. Die Frau trocknete dabei häufig die verweinten Augen, und beide schauten ab und zu in eine kleine, vergilbte Bibel, die aufgeschlagen auf ihrem Schoße lag.
„Und dennoch, Ismael,“ schluchzte die arme Frau, nachdem sie lange Rede und Gegenrede mit ihrem Manne gewechselt hatte, „und dennoch — er hat mein Blut und das Blut unserer Kinder in seinen Adern! Kannst du nicht Gnade walten lassen?“
„Weib,“ entgegnete der Squatter finster, „als wir noch meinten, daß der alte Trapper unsern Sohn erschlagen habe, da war von Gnade keine Rede.“
Esther ließ den Kopf auf die Brust sinken. Sie wußte nun, daß das Geschick ihres Bruders besiegelt war. Noch einmal begegneten sich beider Augen, dann standen sie auf und gingen zum Lager zurück, wo die Söhne sie in anscheinend träger Gleichgültigkeit erwarteten.
„Abner,“ sagte der Vater, „hole den Bruder deiner Mutter aus dem Wagen und laß ihn hier auf der Erde stehen.“
Scheu und zitternd, aber nicht ohne eine gewisse freche Zuversichtlichkeit kroch Abiram vom Wagen herab.
„Bruder,“ wendete er sich sogleich mit aufdringlicher Geschwätzigkeit an den Squatter, „das Vieh ist müde, wir haben einen tüchtigen Marsch hinter uns und werden nicht leicht wieder einen so guten Lagerplatz finden; wollen wir nicht gleich für die Nacht hier kampieren?“
„Es ist gut, daß der Ort dir gefällt,“ entgegnete der andere dumpf. „Du wirst ihn nicht wieder verlassen. Tretet heran, meine Söhne, und höret! Abiram White,“ fuhr er langsam und feierlich fort, indem er dabei seine Kappe lüftete, „du hast meinen Erstgeborenen erschlagen; nach den Gesetzen Gottes und der Menschen spreche ich dein Urteil: du mußt sterben!“
Ein fürchterlicher Schreck durchzuckte den Mörder.
„Sterben?“ kreischte er. „Soll man nicht einmal unter seinen nächsten Verwandten seines Lebens sicher sein?“