„Segen über sie!“ rief Abiram schluchzend. „Sie war mir immer eine gute, treue Schwester! Aber zum Lesen brauche ich Zeit, Bruder, Zeit!“
„Zeit soll dir werden. Du wirst dein eigener Henker sein.“
Abner berichtete, daß die Prärie menschenleer sei, und nunmehr schritt man zur Ausführung des neuen Planes des Squatters.
Unter einem der Äste des Baumes ragte hoch über der Erde eine Steinstufe aus der Felsenwand. Auf diese Stufe stellte man den Delinquenten, dem man die Arme an den Ellenbogen hinter dem Rücken gefesselt hatte. Vom Aste herab legte sich eine Schlinge um seinen Hals, und zwar so, daß er, wenn er hing, die Stufe mit den Füßen nicht mehr erreichen konnte. Das Fragment der Bibel hatte man ihm in die Hände gegeben.
„Abiram White,“ sagte Ismael, als seine Söhne nach Beendigung aller dieser Vorbereitungen wieder von dem Felsen herabgestiegen waren, „noch eine letzte Frage richte ich an dich. Noch kannst du wählen zwischen einer Kugel aus dieser Büchse, die dich schnell allen Elends enthebt, und jenem Strick, der dich früher oder später zum Tode bringt.“
„Laß mich noch leben, Ismael! O, du weißt nicht, wie süß das Leben ist, wenn der letzte Augenblick so nahe bevorsteht!“
„Es sei,“ versetzte der Squatter, zugleich den Söhnen winkend, den Wagen zu folgen. „Und nun, unglücklicher Mann, möge dir zum Trost bei deinem Ende gereichen, daß ich dir das Leid, das du mir angetan, von Herzen vergebe. Gott sei dir ein gnädiger Richter.“
Damit wendete er sich um und schritt in seiner gewöhnlichen, schwerfälligen Art davon. Nach längerem Marsche hatte er die Karawane eingeholt, die, da die Sonne inzwischen untergegangen war, sich zur Nachtrast anschickte, was der Führer stillschweigend billigte.
Mit dem aufsteigenden Monde machte sich auch der Wind auf. Klagende, geisterhafte Laute ertönten leise hier und dort in der Stille der Nacht und erfüllten das Herz des einsam auf der Wacht stehenden Squatters mit fröstelnden Schauern, die nach den Vorgängen des verflossenen Tages wohl erklärlich waren.
Einem inneren Drange folgend, verließ er das Lager, wo alles schlief, und wanderte zu einer fernen Bodenerhebung, von welcher der Blick bis zu der Richtstätte schweifen konnte.