Hier stand er eine lange Weile, dem Winde lauschend, der im hohen Grase rauschte, bis das Getön seinem Ohr erschien wie das Flüstern abgeschiedener Seelen.
Plötzlich gellte aus der Ferne ein schrecklicher Schrei über die Prärie. Er fuhr auf den Schwingen des Windes daher wie der Ruf eines grausen Nachtgespenstes. Ismaels Haar sträubte sich; unwillkürlich krampfte sich seine Hand um den Lauf der Büchse. Ein neuer Windstoß brachte einen zweiten Schrei. Wider seinen Willen mußte er mit einem lauten Ruf antworten; dann, obgleich von kaltem Grausen gepackt, warf er die Büchse über die Schulter und ging, gewaltig ausschreitend, dem Felsen zu.
Noch einen dritten Schrei hörte er, so gräßlich, daß keine Einbildungskraft einen ähnlichen schaffen könnte. Erschüttert blieb der Squatter stehen und verschloß die Ohren mit den Händen. Als er diese wieder sinken ließ, sagte eine leise, heisere Stimme unmittelbar hinter ihm:
„Ismael, Mann, hörtest du etwas?“
„Still!“ entgegnete er, den Arm um seine Frau legend.
Aber sie vernahmen nichts mehr als das dröhnende Sausen des stärker werdenden Windes.
„Komm,“ drängte Esther, „man hört nichts mehr.“
„Was brachte dich hierher?“ fragte jetzt Ismael, dessen Blut wieder ruhig geworden war.
„Er hat unseren Erstgeborenen erschlagen,“ antwortete die Frau, „aber ich kann nicht zugeben, daß der Sohn meiner Mutter unter freiem Himmel liegenbleibt wie der Kadaver eines Hundes. Schau her, Picke und Spaten habe ich mitgebracht. Wo ist er?“
Der Mond trat hinter den treibenden Wolken hervor, so daß Esthers Auge dem ausgestreckten Finger ihres Mannes folgen konnte. Derselbe deutete auf eine menschliche Gestalt, die unter einem der Aste des Weidenbaumes im Winde hin und her schwang. Die Frau verhüllte ihr Gesicht, er aber trat herzu und betrachtete eine Zeitlang sein Werk. Dann hob er die Büchse und zielte sorgfältig; der Schuß krachte, die Kugel durchschnitt den Strick, und der Leichnam schlug dumpf auf den Erdboden, wo die Bibelblätter zerstreut umherflatterten.