»Karl! Kärlchen! Komm doch herein!«
Aber Kärlchen meldete sich nicht, ohne Zweifel war er ausgestiegen.
»Kann jeder sagen,« brummte mißtrauisch unser Choleriker und suchte ein Häuschen weiter Unterschlupf zu finden. Immer noch drängten Leute vorüber, in dem überfüllten Zuge ging's um jedes Mauseloch.
Wieder ein paar Herren der Schöpfung – und wie ein Kampfhahn hob der eine an: »Meine Damen …!« Doch schon fiel ihm unsere temperamentvolle Jüngste ins Wort, vertrat ihm die Coupétür und erklärte in ihrer raschen energischen Art: »Der Platz ist aber wirklich besetzt, meine Herren!« Und im Übereifer und um neuem Ansturm und Vorwürfen vorzubeugen, setzte sie hinzu: »Der gehört unserem gemeinsamen Mann!«
Im nächsten Augenblick kam eine Stimme von jenseit der Korridortür, und ein lachendes humordurchstrahltes Gesicht schaute herein, zwei Augen, aus denen Lebenslust und herzerquickender Frohsinn lachten, ein schmalbärtiger Mund, um dessen Winkel es wie tausend Schelme zugleich zuckte – und die Stimme sagte im gemütlichsten Weanerisch: »Den muß i mir doch amol anschaugn, den g'meinsamen Mann!«
Ein belebender Hauch fuhr in unsere müd-faule Abgespanntheit, zündend wie ein elektrischer Funke sprang der goldene Humor von einem zum anderen über.
»Eins, zwei, drei, vier, fünf Damen!« zählte der Wiener. »Wie an richtiger Padischah also, – muß der aber Couraschi hob'n, der G'meinsame! Jetzt, wo steckt er denn eigentlich?«
»Er wird gleich wiederkommen, warten Sie nur,« sagte unsere lustige Jüngste.
Mit beiden Füßen stand der Fremdling mitten in der ungewollt komischen Situation.
»Reichsdaitsche, dacht' ich mir's doch,« konstatierte er ernsthaft. »Bei uns in Österreich is nämlich d' Bigamie verboten, meine Damen. Wann i ihn jetzt anzeigen tät, den g'meinsamen Mann, nachher würd' er augenblicklich arretiert und ich könnt' mich dahier so hübsch warm und weich auf sein Platzerl setzen. Aber ich will Gnad' für Recht ergehn lassen, wann's jetzt ein Bisserl z'sammenrücken tät'n.«