Empört fuhren wir alle auf, bloß eine sagte mit schöner Gelassenheit: »… ausgestiegen, um ein Glas Bier zu trinken. O ja, wir wissen's noch recht gut, mein Herr, es ist ja noch nicht gar so lange her, seit wir auf der Schulbank saßen.«
Jetzt sah er uns alle der Reihe nach an, prüfend, nachdenklich – und auf einmal schlug er sich mit der flachen Hand vor den Kopf.
»Ei du mein, daß mir dös auch net eher einfallt! Jetzt hob ich's, natürlich – dös hier is g'wiß die erste Klasse, die mit ihrem Professor einen Ausflug macht. Meiner Treu!«
»Professor ist gut,« meinte eine halblaut.
»No also, hob ich doch recht. Aber jetzt, wo steckt er denn? – Sind Sie vielleicht der g'meinsame Mann?« fuhr er auf ein altes verhutzeltes Männchen los, das eben seinen eisgrauen Kopf schüchtern durch die Tür steckte.
»Nein, o nein!« wehrten wir mit Mund und Händen ab.
»Oder sind Sie's?« fragte er einen anderen, der neugierig um die Ecke guckte. Der fuhr des Todes erschrocken zurück. »'s Kreuz hätt' er glei schlag'n soll'n«, meinte der Wiener trocken. »Is dös a Nazi, vor fünf hübsche junge Damen so an Schreck zu kriag'n. – Nu aber, unser G'meinsamer, dös scheint mir wirklich der Mann im Mond zu sein. Der Zug geht ab, und er is immer noch net da.«
Ein fünfstimmiges Freudengeschrei ließ ihn den Kopf wenden. Sein Gesicht war einfach nicht zu bezahlen, als er sich unserem Kärlchen gegenübersah, dessen mächtige breitschultrige Hünengestalt die ganze Türöffnung ausfüllte, gekrönt von einem blühenden Angesicht mit stattlichem schwarzen Vollbart, lachenden Augen und zufriedenem Schmunzeln. Lachende Augen, jawohl – denn im Eifer unserer Coupéverteidigung und des nachfolgenden lustigen Geplänkels hatte keins von uns auf die Station geachtet, und die hieß Trient, und Kärlchen hatte seinen Durst an kühlem Bier gelöscht und stand nun da wie ein satter, schmunzelnder Gambrinus, in einer Hand ein Brötchen, in der anderen ein paar Wiener Würstchen.
»No, mir scheint, Sie halten's aus!« sagte der Wiener verdutzt.
Wir schrien unserem Kavalier entgegen: »Kärlchen, hast du …? O wie nett! Gib mir! – Nein, bitte, mir zuerst!«