Und wieder eines Abends am Lautersee tauchte der Vöslauer zum drittenmal auf. Er sei übers Karwendel gestiegen, sagte er und erzählte von seiner Bergtour. Und als wolle das Karwendel seiner begeisterten Schilderung Ehre machen, begann es sich zu färben, – dolomitenhaft schön. Zuerst golden und purpurn, dann rosenrot und zuletzt in blassem Violett gegen den klaren, stillen Abendhimmel ragend. Es war ein Abend, wie man ihn selten sieht, – Schönheit und heiliger Friede der ersten Schöpfungstage.
Still gingen wir heimwärts. Die beiden zuletzt. –
Denselben Abend verführte Kärlchen nach abscheulicher Junggesellengewohnheit den Vöslauer zu einer endlosen Sitzung. Er hat uns später davon berichtet, und natürlich war er der große Mann, der alles arrangierte und ins rechte Geleise brachte. Der Vöslauer, so ein tapferer Alpengänger er war, hatte in schüchternen Andeutungen gesprochen, sich nicht recht mit der Sprache herausgetraut – ein einfacher Mann wie er, und die Frau Professorin, so ein feines, liebes, vornehmes Geschöpf – – –
Aber Kärlchen faßte ja schnell, und gutmütig war er trotz der Trienter Würsteln. Er hob sein Glas: »Prost, alter Freund – und da sich's gemütlicher auf Du und Du sagt: Mensch, sei kein Frosch – wollen wir Duzbrüderschaft trinken! Kannst ruhig anfragen. Sie nimmt dich. Ehrenwort!«
Er hat recht behalten. Unsere liebe, sanfte Hella waltet nun schon über Jahr und Tag als Herrin in ihrer rosenumrankten Villa zwischen Baden und Vöslau.
Kärlchen aber, unser »gemeinsamer Mann«, steigt leider heute noch wie damals in seinen genagelten Bergschuhen als einsamer Junggesell durch die Welt.
Vielleicht triffst du ihn einmal, verehrte Leserin, freundlich und wortfaul auf einer Aussichtsbank mitten im Tal. Die Berge hinauf geht er nämlich nie – trotz der Genagelten.