»Also in Inowrazlaw lebt dein Vater jetzt. Inowrazlaw – guter Gott! – Verkehr habt ihr wohl nicht?«
»Doch, Papa hat ein paar gute Freunde, den Doktor und den Amtsgerichtsrat, der furchtbar lustig ist. Und Töchter sind auch da, sehr nette Mädchen.«
»Hm, kann mir's denken. Blond gescheitelt natürlich und können malen und sticken und Klavierspielen. Und warten wohlerzogen und geduldig auf einen Mann. – Sag' mal, Ruth, dein Kleid ist natürlich auch in Inowrazlaw gearbeitet. Wie viel zahlt ihr eigentlich Fasson?«
»Neun Mark fünfzig,« sagt Ruth erstaunt und treuherzig. Sie trägt ein leidlich gutsitzendes dunkelblaues Tuchkleid von sehr jugendlichem Schnitt, das ihr vorzüglich steht, und weiß nicht recht, was sie aus Mamas Bemerkungen machen soll.
»Neun Mark fünfzig, dacht' ich's doch!« lacht die Mama hell heraus und zupft die ockergelben Valenciennesspitzen an ihrer eleganten Matinee zurecht; gleich darauf streichelt sie Ruths Wange: »Poor little darling!«
Ruth hält die Hand fest. »O Mama!«
»Was denn, dearest?«
»Denkst du noch manchmal an die kleine Mausel?« fragt Ruth, die es nicht erwarten kann, von Mamas Lippen das heißersehnte Wort zu hören.
»Welche Mausel, Kind?«