Sie sitzt abends im Eßzimmer und bindet seidene Bändchen an allerhand raffinierte kleine Geschenke, die zwischen den Christbaumzweigen hängen sollen, während Herr und Frau van Eigersloh vorn im Salon den Baum putzen. Als Ruth fertig ist, will sie hinübergehen, um der Mama ihre Hilfe anzubieten. Keine Spur von Freude ist in ihrem Herzen, nur eine große Leere, eine unsäglich tiefe Traurigkeit. Sie möchte fort – aber sie will der Mama, die doch so lieb und gut zu ihr ist, die Freude nicht verderben. So wird sie noch über die Feiertage bleiben und dann – ach, hoffentlich! kommt der Papa und holt sie heim.

Die Salontür ist verschlossen. Da geht Ruth zurück und will durch das Zimmer des Hausherrn, das sie höchst ungern betritt, hineingelangen, als sie ihren Namen hört. Unwillkürlich bleibt sie stehen.

»Wie willst du sie vorstellen?«

»Natürlich als Ruth Hardenberg, meine Tochter erster Ehe.«

»Von der kein Mensch etwas weiß. Die Sache ist mir äußerst fatal.«

»Ach, Unsinn!«

»Eine so große Tochter. Völlig erwachsen. Man wird dir nachrechnen.«

»Jesus, ja« – ein ungeduldiger Seufzer – »es geht doch nicht anders, da sie nun einmal hier ist …« Dann gedämpftes Lachen: »Du – mit der Tochter nehm' ich's noch dreimal auf!«

»Aber selbstverständlich! Gib sie deshalb lieber als deine Nichte aus.«

»Das kann ich doch nicht. Was sollte das Kind wohl denken?«