Leonie war noch niemals mit der Post gefahren, es dünkte sie herrlich, der Postillon blies: »So leben wir, so leben wir alle Tage …« und die Köpfe von dem dicken Ehepaar gegenüber stießen unsanft aneinander, als die gelbe Kutsche über das vorsintliche Straßenpflaster hinausstolperte.

Leonie und ihr ritterlicher junger Freund saßen rückwärts, und er erzählte ihr dies und das. Namensnennung erschien allen beiden wohl als unnütze und überflüssige Zeremonie, genug, daß sie wußte, er studierte in Breslau Medizin und führe zu einer Silberhochzeitsfeier nach Mittelwalde. Auf der Rückreise wollte er sie dann vielleicht in Charlottenhof besuchen. Ach, wenn er's nur täte! Sie hoffte brennend, daß Großpapa sie nicht selber abholen und ihr junger Freund somit nach Charlottenhof kommen müsse, um sich seinen Taler wiederzuholen.

Daß sie ein Klostermädel sei, brauche sie gar nicht erst zu sagen, hatte er lachend gemeint. Das säh' man ihr ja auf zehn Schritt Entfernung an. Aber das möcht' er grad besonders gern leiden!

Bis jetzt hatte Leonie in anerzogener Schüchternheit noch nicht viel gesprochen, allmählich aber taute sie auf, wurde lebhafter und stach mit ihren heimatlichen spitzen S-t und S-p lustig in der deutschen Sprache herum. Da fragte er: »Sie sind doch gewiß aus Hannover, Fräulein Leonie?

»Nein, aus Neus-tadt in Hols-tein.«

»Aber da sind wir ja Landsleute!«

»Nein, wie reizend!« rief sie erfreut. »Haben Sie es gleich gemerkt?«

»Auf der S-telle,« kopierte er.

»Aber Sie s-prechen doch gar nicht so?«

»Ich hab' mir's leider schon abgewöhnt.«