Es folgte eine schlaflose Nacht. In wildem Traum sah ich unsere Familie altern, aussterben — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — Müde, gebrochen stand ich auf. Dumpf hämmerte der Kopf. Und müde kam ich zum Morgentisch.
Die Mutter sah mich besorgt an.
„Haut wèrd woûl dei Mononk kommen, da gin mer eppes mé gewoûr,“ sagte sie tröstlich. Sie brachte mir eine Tasse Fleischbrühe mit einem Ei. „Do, drénk dât, da get et der besser.“
Ein trauriger Sonntagmorgen.
Dumpf läuteten die Glocken. Wie Totenglocken. In gedrückter Stimmung ging ich zur Kirche. Die Gesänge klagten wie im Leichendienste. Ich setzte mich in einen der letzten Stühle und stützte den Kopf schwer in die Hand. Und immer wieder kamen trübe Gedanken, die mich noch unglücklicher machten.
Was ist das Leben? Nichts. Nichts als Kummer und Trauer und Verfallen.
Was habe ich davon, daß ich fleißig war? Was haben meine Eltern davon, daß sie sich abgerackert haben? Was nützt es mir nun, daß ich ein strebsamer, neuzeitlicher Bauer geworden bin? Nichts. Gar nichts. Weil ich bei tüchtigen Landwirten gelernt habe, weil ich unsern Betrieb modern eingerichtet habe, weil ich nicht bin, wie andere rückständige Landwirte, darum, gerade darum soll ich das Mädchen nicht bekommen. Gerade darum. Das ärgerte mich.
Ich wurde unzufrieden mit meinem Leben, unzufrieden mit den Menschen, unzufrieden mit meinem Berufe — — — — — — — — — — — — — — — — — — —
Als ich das Haus erreicht hatte, war der Oheim schon angekommen. Er brachte keinen Trost. Alles was er sagte, machte mich noch elender. Langsam, mit gedämpfter Stimme erzählte er. Als ob wir einen Schwerkranken im Hause hätten, so war das Gespräch.
Noch nie habe ich mich so unglücklich gefühlt wie bei diesem Berichte des Oheims.