Meine Mutter konnte Henriette nie leiden. Sie war kein übles Ding, diese Henriette. Drei Jahre hatte sie die Pension besucht. Und war dann noch zwei Jahre in Nancy gewesen.
Henriette war wirklich chic. Immer neumodisch gekleidet. Darum hatte sie es uns allen angetan. Ein richtiger Lockvogel, diese Henriette.
Es ist doch gut, daß man auf Freiersfüßen nicht ganz freien Lauf behält!
Es schadet gar nichts, wenn alte, erfahrene Leute bei Zeiten bremsen.
Derartiges hatte die Mutter mir schon oft vorgehalten.
„An daß nach lang neîscht esoû Dichtiges, dât Henriette,“ schloß sie jedesmal ihre Predigt. „D’aß èng domm Gäns! Schién Plommen mâchen schién Fullen. Wäret zwê Johr an d’Haushaltungsschoûl gângen, an d’hätt geléert kachen a brachen, an plâtz sèch ze fiezen, da wär et vleicht èng Hausfrâ gin.“
Früher, wenn ich dieses alles anhören mußte, ärgerte ich mich jedesmal.
Heute blieb ich ziemlich ruhig. Die Flamme, die einmal hellauf in meinem Herzen für Henriette gebrannt hatte, flackerte wohl noch ein wenig. Aber sie war stark am Erlöschen. Berta schüttete Asche auf dieses alte Feuer und erstickte es. Und es war gut so.
Wenn ich mir das Berelshaus so recht vorstellte, wo alles wie geleckt war, und dann die Küche der Henriette, bekam ich einen Ekel vor diesem Modepüppchen.