Ein fast unglaublicher Zufall führte uns mit dem Koch zusammen, der mehrere Jahre in den Diensten meines Mannes gestanden hatte und ihm während der Dauer von zweieinhalb Jahren kreuz und quer durch die Urwälder Kameruns ins Innere gefolgt war und sich nicht nur als treuer Begleiter, sondern auch als tüchtiger, mit dem verwöhnten, europäischen Gaumen wohlbekannter Koch erwies. Joseph, so hieß diese schwarze Perle, freute sich unglaublich, seinen alten Master wieder zu sehen und erklärte sich bereit, uns auf unserer bevorstehenden Reise ins Innere zu folgen. Kurzerhand löste er, wahrscheinlich zum nicht geringen Staunen und Ärger seines bisherigen Herrn, sein Dienstverhältnis und stand am andern Morgen grinsend mit seinem Päckchen am Hotel.

Er war uns beim Einkauf unserer Verpflegung, die wir auf ca. 3 Wochen zu berechnen hatten, behilflich und nichts wurde vergessen, denn Joseph kannte die hohen Ansprüche, die sein alter Master an seine Kochkunst stellte. Die Verpflegung: Fleisch, Gemüsekonserven, Früchte, Cakes, Butter, Schmalz, Mehl, Reis, Kaffee, Tee, Milch, Zucker, Essig, Öl, Gewürz, einige Flaschen Wein und Bier und sonstige, für die Küche des Europäers nötigen Kleinigkeiten, sowie etwas Reis und Stockfisch, die als Notbehelf dienen sollten, für den Fall, daß man mitten im Urwald Lager beziehen muß und keine Verpflegung für die Träger (Planten, Makavo und Palmöl) bekommt, wurde in Traglasten zu ca. 30 Kilogramm verpackt und nach dem Hotel gesandt. Als Tauschartikel nahmen wir noch Perlen, Tabak, und bedruckte Leinwandstoffe mit. Für irgend einen ganz besonderen Zweck hatten wir uns auch eines jener in Afrika typischen Hängekleider mitgenommen, desgleichen mieteten wir uns für die Reise nach dem Manenguba-Gebirge zwei Pferde.

Die Deutsche Kolonial-Gesellschaft, in deren Diensten mein Mann früher stand, stellte uns bereitwilligst ein Zelt mit den nötigsten Ausrüstungsgegenständen zur Verfügung, und am zweiten Tage nach unserer Landung wurden unsere Lasten nebst ihren Trägern, die teilweise recht schmutzige Lendentücher, welche bei Gott nicht mehr als fünf Prozent ihres Leibes bedeckten und einen intensiven Geruch nach Schweiß und Palmöl ausströmten, um den Leib geschürzt hatten, sowie unsere Pferde und schließlich wir selbst in einem Leichter verstaut und von einer Barkasse nach dem am rechten Ufer des Wuri gelegenen Bonaberi gebracht und sofort in den bereitstehenden Zug verladen.

Da mir mein Mann nicht in eiliger Bergfahrt die Schönheiten des Urwaldes flüchtig zeigen wollte, fuhren wir nur bis Mujuka, zirka 60 Kilometer der Nordbahn und schlugen auf einem freien Platz unser Zelt auf.

Mit unglaublicher Geschwindigkeit wurden die Zeltlasten aufgeschnürt und in einer halben Stunde stand unser Zelt bezugsfertig da. Die Verpflegungslasten, aus denen Joseph sich einige Konservenbüchsen hervorkramte, wurden unter das Sonnensegel gestellt und bildeten, gegen die in der Übergangszeit noch vorkommenden Tornados geschützt, gleichzeitig eine kleine Barrikade um unser Zelt, nur den Eingang freilassend.

Nach dem Aufschlagen des Zeltes begab sich jeder der Träger in den Urwald, um Holz für das nachts als Schutz gegen Ameisen und Raubtiere stets brennende Feuer zu holen und es dauerte gar nicht lange, so kehrten sie, jeder mit ein bis zwei beindicken, zwei bis drei Meter langen Ästen zurück, welche zu zwei großen Scheiterhaufen vereinigt, ihres Zweckes harrten.

Aus einigen, schnell aus den Fiedern der Palme geflochtenen Matten und vier im Busche geschlagenen Pfählen wurde ein kleines Badehäuschen (ohne Dach) aufgebaut und nachdem wir gebadet und uns umgekleidet hatten, begann Joseph und sein Helfershelfer, der boy Taka, zu servieren.

Trotzdem Joseph mit größter Fach- und Sachkenntnis den Lagerbau leitete, hatte er nebenbei, geschickt seine Töpfe auf drei Steine stellend, mittels kleingespaltenem Holz das Essen gekocht und Badewasser warm gemacht. Mitten unter freiem Himmel loderten bald vier solcher kleinen Feuer, auf denen die einzelnen Gerichte dampften.

Wir hatten uns, gestützt auf die langjährigen Erfahrungen meines Mannes, alles Geschirr in Emaille mitgebracht, denn von Porzellan wäre wohl am Abend des ersten Tages wenig übrig geblieben.

Zierlich, mit einer weißen, sauberen Jacke bekleidet, und stolzem Grinsen, die Suppe vor sich herbalanzierend, erschien Taka, dem auf dem Fuße, nicht minder weiß gekleidet, mit einem Gesicht, das den Stempel des Verantwortlichkeitsgefühls trug, Joseph mit dem zweiten Gange, Huhn mit Kartoffelpüree, folgte.