Taka, voll Eifer, bemerkte nicht, daß sein schwarzer Daumen ein warmes Bad in der delikat aussehenden Schildkrötensuppe nahm und von meinem Mann »zart« darauf aufmerksam gemacht, traf ihn ein entrüsteter, vernichtender Blick Josephs, der sich ein derartiges Benehmen anscheinend einfach nicht erklären konnte und seinerseits, in diese schwarze Tat Takas voll Kummer vertieft, vergaß, die Finger von den frisch hingesetzten Tellern zu nehmen, so daß uns seine Fingerabdrücke entgegenleuchteten, die sicher der Stolz jedes Kriminalbeamten gewesen wären. Zum ersten Male stiegen mir an jenem Abend leichte Zweifel ob des »Abfärbens« der schwarzen Rasse auf.

Nun, das Essen war vorzüglich zubereitet, und mit etwas gutem Willen war es mir auch möglich, alle »schwarzen« Gedanken zu bannen und es mir schmecken zu lassen.

Joseph hatte, da er die Verhältnisse gerade Mujukas, aus seiner früheren Tätigkeit her kannte, bei einem dort wohnenden Freund ein Huhn und eine, irgendwo mit Bindfaden in der Hütte festgebundene Schildkröte erworben.

Nach dem Essen setzten wir uns unter das Vordach unseres Zeltes und plauderten, gemütlich in unsern Liegestuhl zurückgelehnt, über das zurückgelegte Stück unserer Hochzeitsreise.

Bald auch hörte unser Plaudern auf und träumend genossen wir den unbeschreiblich schönen Tropenabend. Leider war es noch einige Tage bis zum Vollmond, aber ich konnte mir schon einen kleinen Begriff machen von der großen Schönheit einer tropischen Mondnacht. Nichts regte sich, nur aus der Ferne drang der Schlag der Palavertrommel, sowie der monotone Gesang unserer Träger, die wir in einem benachbarten Dorfe untergebracht hatten, zu uns herüber und ließ die Nähe menschlicher Wohnungen vermuten. Eine unendlich weiche Luft umfächelte uns, und ich dachte unwillkürlich an unser, jetzt sicher so naßkaltes Hamburg, wo man sich schon mit den Pelzen schmückt.

Auch der Feuermann hatte bereits seine Arbeit begonnen und eilte von einem lodernden Holzstoß zum andern, um immer wieder zu schüren und ihm neue Nahrung zuzuführen. Welch ein herrliches Schauspiel war es, in der ruhigen Nacht zu beobachten, wie jedesmal, wenn der Feuermann neues Holz auflegte, ein Funkenregen gen Himmel stiebte, der, gleich einer Rakete, dann wieder langsam in sich zusammensank.

Joseph war eifrig in seiner Küche beschäftigt, das Geschirr zu säubern und alles für den nächsten Morgen, wo wir unsere Reise zu Fuß fortsetzen wollten, vorzubereiten. Taka packte die abgelegten Kleider in den Wäschesack, legte geschickt die am nächsten Morgen benötigten Kleider auf das Moskitonetz unserer Betten, und als sie beide ihr erstes Tagewerk bei ihrem alten »Master« beendet hatten, baten sie um die Erlaubnis, uns erzählen zu dürfen, wie es ihnen in der Zeit der Abwesenheit meines Mannes ergangen sei. Ich konnte mich schon recht gut mit den beiden Hausgeistern verständigen, dank der Bemühungen meines Mannes, mich recht eingehend in das fast undurchdringliche Pigeon-Englisch einzuweihen. Jeder hatte natürlich wenig lichte Tage erlebt, denn intensives Arbeiten ist nicht immer Sache der Neger. Am meisten schien sich Joseph zu freuen, daß sich sein alter Meister nun sein Weib mitgebracht hatte und gab dieser Freude dadurch Ausdruck, daß er uns am Abend mit einer Tasse Tee und ich muß sagen, einem wirklich wohlgelungenen Pudding überraschte.

Noch einmal ermahnte mein Mann den Feuermann, der mit einem Knüppel bewaffnet, jetzt vor den Feuern hockte und träumend in die rote Glut starrte, ja nicht zu schlafen und wir zogen uns in unser Zelt zurück.

Einzelne Moskitos schwärmten im dunklen Zelte herum, doch wir hatten ja Chinin geschluckt – was ich übrigens nicht sonderlich schätzte – und konnten beruhigt sein.

Lange lag ich noch wach, alle bisher erlebten Tage an meinem geistigen Auge vorüberziehen lassend und dankte dem Himmel für die Schönheiten und Reize die er mir auf meiner Hochzeitsreise bisher geboten, bis auch ich schließlich, eingeschläfert durch das Knistern der brennenden Holzscheite, Gott Morpheus in die Arme sank.