Nachdem wir uns noch einen Teil der herrlichen Kakao-Plantagen der W.A.P.V. angesehen hatten, fuhren wir noch an demselben Tage nach Duala.

Unzählige Buchten, sogenannte Creeks, die dicht mit Mongroven, zwischen denen einige Urwaldriesen ihre Häupter gen Himmel reckten, bestanden waren, wurden von den Fischfang treibenden, in kleinen Kanoes sitzenden Negern belebt. Rechts von uns sahen wir auf schmaler Landzunge direkt an der See das Sanatorium Suelleba und näherkommend, entdeckte man bereits die sauber weiß gestrichenen Häuser von Duala.

Auf der Joßplatte liegen Offizierskasino und die Beamtenwohnhäuser unserer Schutztruppenangehörigen und weiter, nach der Landungsbrücke zu, die Gouvernementsgebäude.

Im Hafen von Duala, der die Mündung des Kamerunflusses (Wuri) ist, kreuzten die kleinen Dampfbarkassen und Pinassen und nahmen, nachdem vom Hafenarzt die Quarantäne abgenommen war, die ankommenden Passagiere und deren Gepäck auf.

An der kleinen Landungsbrücke standen Hunderte von Negern und schwarzen Frauen, die teils grinsend, teils bewundernd die Neuangekommenen musterten, wohl auch dem wiedererkannten »alten Afrikaner« einen Willkommensgruß im schwarzen Erdteil zuriefen.

Eines mutete mich recht sonderbar an. Während wir in franz. Guinea französisch, in den engl. Kolonien englisch sprechen hörten, vermißte ich in Duala den Wohlklang unserer Muttersprache. Einige besser gekleidete boys, die ihre aus der Heimat zurückkehrenden Master abholten, hörte ich nur das Pigeon-Englisch, ein furchtbar verstümmeltes, mit andern Sprachen durchsetztes Englisch, sprechen. Mein Mann hatte auf der 23tägigen Seereise eifrig mit mir gearbeitet, damit ich dieses Kunterbunt ein wenig beherrschte.

Duala zu schildern, will ich unterlassen, da ich annehme, daß wohl Jeder von dem rasch emporgeblühten, fast europäischen Duala genügend Kenntnis aus Reiseberichten besitzt. Ich kann nur sagen, daß ich überrascht war von den wohlgepflegten Straßen und Gouvernementsgärten, in welchem die Gouvernementsgebäude eingebaut sind. Imponierend wirkten die Anlagen der Kamerun-Mittellandbahn, deren Bahnhof in einem Seitentale des Kamerunflusses, der sogenannten Bomonoschlucht liegt, deren Hänge mit den Beamtenwohnhäusern der Bahn malerisch bebaut sind.

Durch die 23tägige Seefahrt war unser Gang an Land direkt schwankend und schaukelnd geworden, doch heute – und das war für mich die Hauptsache – konnte ich zum ersten Male mein Haupt im schwarzen Erdteil, auf dem für mich noch tausend Geheimnisse bergenden Kameruner Boden zur Ruhe legen.

Im Hotel traf mein Mann viele alte Bekannte von seiner früheren kolonialen Tätigkeit her, alle freuten sich sehr, ihn wiederzusehen und auch mich kennen zu lernen. Ein fröhlicher Kreis bildete sich bald, Erinnerungen, ernste und heitere, wurden lebhaft ausgetauscht und viele Fragen nach der lieben, deutschen Heimat an uns gerichtet, so daß die Stunden wie im Fluge entschwanden. Dem Bier und Sekt wurde sehr reichlich zugesprochen, das Wiedersehen wurde recht gründlich gefeiert und beim endlichen Aufbruch hatte ich das Empfinden, mich noch an Bord zu befinden, wenigstens in bezug auf den »schaukelnden, schwankenden Gang« meiner lieben, neuen Bekannten; mein Mann jedoch durchaus nicht ausgeschlossen.

Eine frische Nachtbrise machte den Aufenthalt in den kleinen und niedrigen Hotelzimmern recht angenehm und zum ersten Male wieder, seit langer Zeit, fand ich meinen von Europa her gewöhnten, gesunden Schlaf.