Schon vom Schiff aus sah man die Früchte deutscher Kultur in Gestalt eines, auch architektonisch schönen Gouvernementsgebäudes und unzähligen am Strande liegender Faktoreien, die sämtlich von einer in gotischem Stil gehaltenen Kirche überragt werden.
Die Straßen Lomes sind zum Teil befestigt und auf ihnen werden im flotten Tempo die zweirädrigen, mit schwerer Ladung bepackten Karren gezogen. Während wir bisher nur Neger sahen, die, mit Ausnahme des Lendenschurzes völlig unbekleidet waren, trug der größere Teil der Togo-Neger Kleider, und wenn sie auch nur aus einigen, malerisch um den Leib geschlungenen, bunt bemalten Tüchern bestanden. Einen recht netten Eindruck machten die sauber in Weiß oder Khaki gekleideten schwarzen Angestellten der Faktoreien, desgleichen die sauber uniformierten Soldaten der Polizeitruppe und die schwarzen Gouvernementsbeamten.
Auch hatten wir Gelegenheit, das bunte, fesselnde Markttreiben in Lome zu beobachten:
Hier hing unter einem Mattendach die Keule eines Schafes oder Ochsen, dort standen, in kleine Körbchen gefüllt, Erdnüsse, Makavo (kartoffelähnliche Knollenfrucht), Mais, Bananen, Ananas und ähnliche tropische Früchte. An anderer Stelle wieder kauerte ein schmutziges Weib am Boden, die ihre aus Makavo gefertigten, in Palmöl gekochten Klöße zum Verkaufe ausbot. In einem kleinen Schnittwarenladen, der die »neuesten Muster« der afrikanischen Mode auf den Markt brachte, wurden die auf dem Markt durch den Verkauf von Produkten erzielten Einnahmen umgesetzt, doch nicht, ohne stundenlanges Feilschen und Handeln und nachdem sämtliche ausgelegten Herrlichkeiten mit schmutzigen Fingern durchwühlt waren.
Nachdem wir uns mit einer Flasche Eisbier und einigen Sandwichs im Hotel gestärkt hatten, unternahmen wir noch einen kleinen Spaziergang durch die endlose Reihe der deutschen und englischen Faktoreien.
Da die Zeit zur Abfahrt mahnte, ließen wir uns wieder auf unseren Dampfer einbooten und fuhren, nachdem wir noch Lagos, eine Hafenstadt in Nigeria, angelaufen hatten, dem vorläufigen Endziel unserer Reise, Kamerun, zu.
Mit vor Freude klopfendem Herzen stand ich an Deck. Kamerun! In kurzer Zeit sollte es erreicht sein, sollte mein jahrelanger, heißer Wunsch sich erfüllen. Meinen Fuß würde ich auf Kameruner Erde setzen und eindringen in die vielen Schönheiten des wunderbaren Landes.
Mit Hilfe des Fernglases bemerkten wir bereits vor uns einen langgestreckten Höhenrücken, dessen einzelne Bergkegel in einen undurchdringlichen Nebel gehüllt zu sein schienen. Näherkommend, zerteilten sich die Nebelschwaden und majestätisch stieg aus dem Gebirge der alles überragende 4000 Meter hohe Kamerunberg heraus. Zu seinen Füßen liegt der ehemalig ebenfalls vulkanische, kleine Kamerunberg. Am Fuß des letzteren gruppiert sich malerisch, wie ein Schmuckkästchen, das reizende Viktoria, das aber leider durch die hinter ihm lagernden, nur zum Teil sanierten Sümpfe, nicht gerade das günstigste Klima in unserem fieberreichen Kamerun hat.
Auf einer kleinen Anhöhe liegt die Wohnung des Bezirksamtmannes direkt am Strande, ferner das Laboratorium der Versuchsanstalt für Landeskultur, das Polizeimeistergebäude, das Bezirksamt und -Gericht, die Wohnhäuser der Gouvernementsbeamten und die Faktoreien. Eine strikte Trennung der Wohnungen von Schwarzen und Weißen ist hier geschickt durchgeführt.
Ein Rundgang durch den botanischen Garten führt uns wohlgepflegte Kakao- und Gummikulturen vor Augen und gewährt uns schon einen kleinen Einblick in die üppige Vegetation der Tropen. Gern hätten wir uns den Sitz des Gouvernements, das in ca. 1000 Meter Höhe am großen Kamerunberg gelegene Buea, angesehen, doch unsere Reise sollte weitergehen und uns in die Gefilde führen, wo mein Mann als deutscher Kulturpionier die Linienführung der Kamerun-Nord- und Mittellandbahn erkunden half.