Mit großer Geschicklichkeit wurden die Ladebäume, die bisher in der Längsrichtung des Schiffes niedergelegt waren, aufgerichtet, die Seile über die Rollen geführt und schon rasselten die Dampfwinden den ersten Ballen Ladung aus den schier unergründlichen Bunkern des Schiffes nach oben. Der Ladebaum wurde ausgeschwenkt und die Ladung in die bereitstehenden Küstendampfer herabgelassen. Ein anderer Teil der Neger holte sich beim Verwalter Schrubber und Bürsten, die Schiffshydranten wurden in Bewegung gesetzt und in wenigen Augenblicken schwammen alle Decks, die unter der kräftigen Behandlung unserer »lieben, schwarzen Brüder« sehr bald ihre Farbe wechselten.
Ein Glockensignal verkündete eine Essenspause.
Zwei große, ca. 100 Liter fassende Kessel mit gekochtem Reis wurden, der eine in die Mitte der Ladekolonne, der andere in die Mitte der Reinigungsmannschaften, gestellt. Um beide Kessel gruppierten sich, die strahlenden Augen auf den dampfenden Reis gerichtet, die Neger. Ein Vormann (Headmann) teilte den Inhalt des gefüllten Kessels in ca. 10 Portionen, deren jede einzelne wieder in einen kleineren Kessel gepackt wurde. Auf jeder Portion thronte als »Garnierung« ein Stück gekochten Stockfisches. Die Verteilung vollzog sich mit einer gewissen Ordnung, die Unterhaltung jedoch wäre wohl kaum von dem Geschnatter eines Waggons böhmischer Gänse übertönt worden.
Zu jedem dieser kleinen Kessel gehörten ca. 8-10 Mann, die sich in einer Ecke des Schiffes niederhockten und den Reis mit der Hand, mit der sie eben noch die schmutzigen Scheuertücher ausgewrungen hatten, zu Ballen formend, in den Mund stopften. An den Stückchen Stockfisch wurde nur ab und zu geleckt, erst mit dem letzten Klumpen Reis nahm auch dieses seinen Weg ins Innere des Negermagens.
Wie auf ein Kommando verstummte jegliche Unterhaltung und machte einem breiten, wohligen Schmatzen Platz. In kaum 10 Minuten waren sämtliche Kessel nicht nur geleert, sondern auch sorgfältigst für die nächste Verpflegungsaufnahme ausgeleckt und mit den Fingern gereinigt. Einige zu Boden gefallene Reiskörnchen wurden noch gierig aufgesucht und verschwanden in den nimmersatten Magen der Schwarzen. Damit der Magen auch wirklich bis oben gefüllt war, stürzten sie noch ca. ein halbes Liter Wasser nach und der letzte Schluck wurde, nachdem er kurze Zeit im Munde hin und hergespült war, in hohem Bogen über die Reeling gespuckt und – die Zähne waren geputzt.
Ein greller Pfiff des Offiziers rief die Horde wieder an ihre Arbeit.
Nachdem die Ladegeschäfte beendet waren, verließen wir Monrovia.
Die Wärme hatte sich bereits zu einer fast unerträglichen Hitze (46°C. im Schatten) gesteigert und noch unangenehmer machte sich die Hitze des Nachts bemerkbar. Trotz der in die Bullenaugen eingesetzten Windfänger und trotzdem man völlig entkleidet, nur mit dem Laken bedeckt, schlief, war an einen festen Schlummer nicht zu denken. Hochinteressant zu beobachten waren am Abend die Promenadendecks, wo in jedem Winkel 2-3 Neger kaffeelöffelartig zusammengehockt, mit einem leichten Leinwandlappen bedeckt, durch ein intensives Schnarchen ihren gesunden Schlaf verrieten.
Als wir am Morgen gegen 7 Uhr an Deck gingen, war bereits alles wieder blitzsauber gescheuert und die nicht beschäftigten Neger saßen plaudernd in Gruppen beisammen und plapperten wie die Waschweiber.
Nachdem wir noch die Häfen Grand Bassam und Cap Coast Castle angelaufen hatten, gingen wir unweit der Landungsbrücke von Lome in Deutsch Togo vor Anker. Mit einer der ersten Fahrgelegenheiten ließen wir uns an Land bringen und besichtigten, soweit es die kurze Zeit erlaubte, wieder einmal ein Stück deutschen Bodens.