Während wir den Morgenkaffee einnahmen, wurde mit staunenswerter Geschwindigkeit das Zelt abgebrochen, jeder schnürte sich seine Last zum Tragen fertig, und nachdem das Geschirr verpackt war, setzten wir uns auf unsere Pferde und ritten in den halbdunklen Urwald hinein.

Es war ein ganz wonniger Morgen. Wie tausend Diamanten funkelten die Tautropfen an allen Gräsern und Zweigen in den mühsam durch das Dickicht brechenden Sonnenstrahlen. In vollen Zügen atmeten wir die frische, würzige Morgenluft ein; jubelnde Freude erfüllte meine Brust und vergessen waren die kleinen Unannehmlichkeiten der vergangenen Nacht. Der erste Tag im Urwald vom einzigschönen Kamerun nahm mich derartig gefangen, daß ich am liebsten ein Lied angestimmt hätte, ein frisches, fröhliches Wanderlied mit all den lieben, kleinen, gefiederten Sängern, die alle schon ihr Sangespensum erledigten, um die Wette. Doch auch unsere Kolonne war nicht stumm, ein rhythmisches monotones Singen begann, dessen Eigenart mich fesselte. Einer der Reserveträger sang, vor der Kolonne hertanzend, das Lied vor und die anderen stimmten später kräftig ein, gerade als wenn es der Refrain wäre, den sie mitsangen.

Joseph bildete den Schluß, damit nicht einer der Träger mit seiner Last hinter der Reihe zurückblieb, denn nichts ist unangenehmer, als wenn man im nächsten Tageslager angekommen, sein Zelt aufschlagen will und eine Last fehlt.

Man kann sich, wenn man es nicht selbst erlebte, keinen Begriff von der imponierenden Schönheit des tropischen Urwaldes machen.

Mächtige Baumriesen von dreißig bis fünfzig Meter Höhe und fast unglaublichem Durchmesser sind von kleineren Bäumen und tausend verschiedenartigen Schlinggewächsen, rankenden Farren und sonstigen Schmarotzern umgeben und überwuchert. Staunend bewunderte ich die üppige Vegetation, die seltenen, niegesehenen Blumen, das in allen Farben schattierende Grün der einzelnen Schlinggewächse. Man sah es, hier war der Kultur noch keine Macht gegeben, einzudringen, stolz und frei sproß und wucherte alles in üppigster Selbstverständlichkeit durcheinander, sich im Kampf um einen Lichtstrahl eng umschlingend, so daß man keinen Meter breit das geheimnisvolle Dunkel des ewiggrünen Urwaldes mit den Blicken durchforschen konnte.

Nichts verriet ein Welken oder Sterben!

Hoch in den Wipfeln der Bäume tummelten sich die bisher nie gesehenen, unzähligen, farbenprächtigen Vögel, ein Singen, Klingen, Geschrei und Gekrächze erfüllte die Luft, das mein Herz immer höher schlagen ließ. Einer unserer Träger machte uns auf einige Äffchen, welche in den Kronen der Bäume fressend saßen, aufmerksam. Doch leider ergriffen die possierlichen Tierchen bei unserem Anblick ängstlich die Flucht.

Wir marschierten nicht auf der ausgebauten Regierungsstraße, sondern auf Umwegen unserem Tagsesziele zu, denn ich wollte den Urwald richtig kennen lernen.

Wurzeln und bloßgewaschene Steine bedeckten den zirka dreißig Zentimeter breiten Negerpfad, und erst jetzt konnte ich mir die großen Schwierigkeiten vorstellen, die mit einer Erkundung von Eisenbahnen im afrikanischen Urwald verbunden sein mußten. Einige quer über den Weg liegende armdicke Bäumchen waren von den vor uns marschierenden Reserveträgern fortgeräumt, dicke, anderthalb bis zwei Meter im Durchmesser fassende Baumriesen mußten umgangen werden. Die kleinen Flüßchen, die ohne Brücke waren, wurden durchwatet.

Plötzlich stutzte das Pferd meines Mannes, der voranritt, und blieb mit zitternden Flanken stehen. Selbst unter Zuhilfenahme der Sporen war es nicht möglich, das nervös trampelnde Tier vorwärts zu bringen. Die Träger, die dadurch ins Stocken kamen, wunderten sich einen Augenblick, um im nächsten Moment, den Blick nach oben richtend, auf eine vom Baum herabhängende, vier bis fünf Zentimeter dicke, zirka vier Meter lange Schlange zu zeigen. Ein wohlgezielter Schuß aus der Büchse meines Mannes bringt den Feind zur Strecke, und beruhigt wiehernd setzte das Pferd seine Wanderung fort. Die Unvorsichtigkeit meines Mannes, gleich vom Pferde aus zu schießen, brachte ihm, durch eine schnelle Rückbewegung des Pferdes, eine kräftige Ohrfeige vom Gewehre ein.