Nach zweistündigem Marsch kamen wir in einen mit zirka fünfzig Zentimeter langem Gras bedeckten freien Platz, wo mein Mann vor zirka fünf Jahren bei der Vermessung der Kamerun-Nordbahn sein Lager errichtet hatte. Einige eingerammte Pfähle und darüberliegende Knüppel, sowie einige von Wind und Wetter zerfetzte Palmenmatten waren die Überreste des ehemaligen Lagers. Wir rasteten kurze Zeit und setzten dann unsere Wanderung fort.
Mittlerweile war auch die Sonne recht hoch gestiegen und entlockte mir, trotzdem ich noch immer ritt und ganz leicht gekleidet war, so manchen Seufzer und manches Tröpflein Schweiß, so daß ich froh war, als wir gegen vier Uhr nachmittags unser nächstes Tageslager Lum erreichten.
Wir hatten, selbst nach Ansicht meines Mannes, eine für die Tropen ganz vorzügliche Tagesleistung hinter uns.
Hier wurde wieder Lager aufgeschlagen und der Abend von gestern wiederholte sich naturgetreu, mit Ausnahme des kleinen Überfalles. Joseph begann sofort der Schlange »das Fell über die Ohren zu ziehen« und schnitt deren Leib, ohne Rücksicht auf die Eingeweide, in gleich große Stücke, die er unter die Träger verteilte. Eiligst liefen diese nach ihren Unterkunftshütten, wo – wie wir uns am Abend überzeugten – dieser »Leckerbissen« mit einer unglaublichen Menge Bananen resp. Planten in die unergründlichen Negermagen verschwand. I gitt! I gitt! Den gleichen Weg nahm ein Hundsaffe, den mein Mann noch geschossen hatte. Die Schlangenhaut wurde mit kleinen, selbstgefertigten Holzstiftchen auf zwei Palmenrippen aufgezweckt, mit Alaun eingerieben und zum Trocknen ans Lagerfeuer gestellt. Auf gleiche Weise wurde das Affenfell präpariert.
Auch heute hatte Joseph wieder mit einer kleinen Überraschung aufzuwarten. Er hatte unterwegs einige Mangopflaumen gekauft und davon, unter Vermischung von Bananen und Ananas ein sehr schmackhaftes Kompott zubereitet. Ananas stand überhaupt täglich auf der Speisekarte. Ferner servierte er ein junges Gemüse, was er aus zarten, in kleine Stücke geschnittenen Graskolben, nach Art unserer jungen Erbsen, vorzüglich zubereitet hatte.
Todmüde sank ich nach einem kurzen Plauderstündchen auf mein Lager und schlief fest und traumlos nach dem anstrengenden Tagesritt bis zum Wecken, wo ich mich erfrischt und neugestärkt erhob.
Heute marschierten wir bis nach Nlohe, was bereits 600 Meter über dem Meere und bei 115 Kilometer der Nordbahn an den Ausläufern des Menengubagebirges liegt.
Die üppige Urwaldvegetation wurde hier bereits durch einige kilometerlange, mit vier bis fünf Meter hohem, fingerdicken Elefantengras bestandenen Flächen unterbrochen, die die Ausläufer des Graslandes, in welches wir nun allmählich einmarschierten, bildeten. Von hier aus benutzten wir wieder die Bahn, um sie in Manengoteng wieder zu verlassen. Auch hier machten wir nicht von dem dargebotenen Gastrecht Gebrauch, sondern marschierten einige Kilometer zurück und schlugen direkt an der alten Karawanenstraße an den zirka 10 Meter hohen Fällen des Dibombe unser Lager auf.
Entzückt stand ich still und konnte den Blick nicht losreißen von den ungeheuren, schaum- und gischtgekrönten Wassermassen, die sich mit donnerndem Getöse in die Tiefe stürzten, unaufhörlich, rastlos! Fast unmöglich war es, sich bei dem ungeheuren Lärm zu verständigen, doch wir gewöhnten uns sehr bald an das ununterbrochene Rauschen des Dibombe und waren hochbefriedigt von unserem idyllisch gelegenen Lagerplätzchen. Interessiert betrachtete ich die aus Baumstämmen und Knüppeln, verbunden durch Rotang (Lianengewächs) hergestellte Brücke; gewiß ein Kunstwerk der Technik im afrikanischen Urwald!